Der Eulenzombie ist tot…

Einstmals stolzer Ausdruck überbordend, kreativ in seiner Vielseitigkeit ohne Grenzen des Stils, kooperativ, konkurrierend, kotstrotzend. Langsam gedemütigt durch Vernachlässigung, gebrochene Versprechen, leere Seiten, Daten spürbar alt. Utopie des kreativen Freiraums zerstört durch Realität des zerbrochenen Wohnraums, ohne Zeit teils ohne Idee. Andere Prioritäten und Leistungsdruck der Vergangenheit weiten die Stille. Vergessend verrottende Texte entlocken nach wie vor Entzücken manchmal, melancholisch konnotiert allerdings.

#Aufschrei, sterbe nicht, schreib stattdessen! Ohne Eingebung Eingegebenes, sich ausweitend zum Selbstzweck. Intellektuelle Krieger, bedeutungsanmaßend, selbstverliebt durch Selbstkritik, satirisch zur zynischen Profilierung, dennoch lustig beizeiten, Hauptsache denkend! Worte auf Bildschirmen wie Fliegendreck im Fremdwörterlexikon, Hypertexte strotzend von Referenzen, Gruppenzugehörigkeit schaffend, erzwingend. Verwirrung um ihrer Selbst willen, Klarheit ist konservativ, kapitalistisch, der Gegner, Diffamierung der Dummheit erhöht den Klugscheißer.

Auf korrekte Art politisch inkorrekt, Humor auf Kosten des Feindes oder des Feindes in dir. Eigenlob durch Selbsterniedrigung, Arroganz durch geheuchelte Ironie. Literatur vermengt mit Popkultur, Kot vermengt mit Kothumor. Hinter der Echtheit eine echte Falschheit, die Lügen Fassade einer wahren Natur die Falsches belohnt. Wortgemenge kryptisch bedeutsam, entschlüsselt fade, flach und unoriginell. Quantität statt Qualität, Mantra der Selbstgeißelung, wenn jeder schweigt wird Silber Gold wert.

Ohne Sinn und Verstand verloren, selbstkonstruierend, destruktiv, detrimental. Weiterstrebend um der Prophezeiung gerecht zu werden: Mehr ist mehr. In der Kürze liegt die Würze, doch wir wollen Satt werden. Erst kommt das Lesen, dann kommt die Moral. Erst kommt der Text, dann kommt das Wort Aal. Doch wer Lexika antilexikographisch liest, hat noch nicht verstanden. Unangekündigt, Absatzlängenkonvention verletzend, jetzt:

Einschub!
I wear societies preconceptions like a cloak, hiding me from the contact of those who would judge me by them.
Rule 34 prevails always, rightly so.
Most stuff is perfectly normal.If you take all the people who took part in the „occupy“ demos claiming they are the 99%, you get about 0.021% of the world population.

    • THEI 83WALL+ – Texas Instruments
      Mit diesem grafikfähigen Taschenrechner ging Texas Instruments neue Wege in der mathematischen Berechnung von Statik für Wälle, in der graphischen Anzeige von Mauern durch einen Wall von Pixeln und nicht zuletzt in der Musikmathematischen Analyse des berühmten Pink Floyd Albums „The Wall“. Herzstück des Geräts ist der populäre Z80 Prozessor, der dem/der aufstrebenden Programmierer/in viele geistige Mauern auferlegt, die er/sie niederreißen muss, um erfolgreich Mauern zu animieren.
    • xTHkEcWAdLL – Randall Munroe
      Als einer der populärsten Webcomics unter Akademikern stellt xkcd viele Leute vor hohe Mauern des Unverständnis. Munroe errichtet so Wälle von Wissen bzw. dem Fehlen des selben. Gleichzeitig hilft der Comic jedoch oft gerade durch diese Mauern, Neugierde zu fördern und so die Mauern zwischen unterschiedlich gebildeten oder in unterschiedlichen Bereichen gebildeten Menschen niederzureißen. Zudem behandeln mehrere seiner Werke die Themen Isolation, Verlorenheit und Einsamkeit, welche schließlich auch von zentraler Bedeutung in Pink Floyds „The Wall“ sind. Der Einfluss der Musiker auf diesen Comiczeichner ist somit für jeden klar erkennbar und signifikant.
    • Anneliese „THE WALL“ Schmidt – Jan Ulrich Max Vetter
      Dieses wohl bekannteste Lied der deutschen Kommerzpunkband „die Ärzte“ zeigt exemplarisch, wie stark die Gruppe durch das Album „The Wall“ von Pink Floyd beeinflusst ist. Punk, der an sich ja schon teilweise als Gegenbewegung zu der immer komplexer werdenden Rockmusik im psychedelischem Rock, zu dem auch Pink Floyd zuzuordnen sind, entstanden ist, versucht, gesellschaftliche Mauern brutal einzureißen. Dies zeigt sich eben besonders deutlich an Anneliese „THE WALL“ Schmidt. In diesem Lied werden die Mauern der Konventionen, die verlangen, dass ein Punksong politische Botschaften zu beinhalten hat gleichzeitig offenkundig eingerissen und dabei doch subtil aufrecht erhalten: Während das Lied zunächst frei von politischer Botschaft zu sein scheint, zeigt sich doch subtil (wobei Subtilität wiederum ein Einreißen der Mauern der Konvention im direkten Punk, der keine Subtilität duldet, darstellt), dass hier ein starker Protest gegen die Eintönigkeit des bürgerlichen Lebens vorliegt, welches sich durch weiß getünchte Mauern von der grausamen Realität (z.B. Kannibalismus, wie im Lied Anneliese „THE WALL“ Schmidt von den Ärzten besungen) abgrenzt.
      Diese starke Beeinflussung der Ärzte durch das Album „The Wall“ von Pink Floyd hat dazu beigetragen, dass sie in der Punkszene teilweise mit Mauern ausgegrenzt wurde, weil ihre Musik kein richtiger Punk sei. Allerdings ist dieses Argument unsinnig, da schließlich auch jede andere Band und somit auch jede Punkband sowie der Punk selber natürlich von Pink Floyds „The Wall“ maßgeblich beeinflusst wurden.

Einschub Ende.

Nicht vergessend, „I’m So Meta Even This Akronym„. Selbstreferenz hilft zitiert zu werden, Zitate referenzieren eigene Ansicht. Kern der seltsamen Schleifen ist das seltsam schleifende, selbst Schleifen schleifen sich selbst selten schleichend, sonderbar. Analyse des Texts im Text analysiert analysierende Analyse, Alliterationsabstinenz abgebrochen. Ich bin so Hyper, ich möchte Hyperlinks in der Beschreibung von Hyperlinks. Nach dem Einschub einabsätzig enden enttäuscht. Daher dieser Satz dann der nächste Absatz dann wieder Sätze dann vorbei.

Temporalstruktur des Textes durchbrochen. Sätze hiernach geschrieben vor manchen Sätzen hiervor. Lesezeit korreliert nicht mit Schreibzeit. Schrift ist Zeitlos (eher weniger Zeitabhängig, nicht vollends frei von Zeit), das ist ihre Stärke und ihr Sinn. Läuft die Rille auf sich selbst zurück, so endet das Ende endlos. Nimm die Blaue Pille und erwache am Anfang, Neo. Jedes Ende ist ein Anfang und nicht jede Plattitüde ist inhärent falsch. Zombies sind untot. Der Eulenzombie ist tot. Lang lebe der Eulenzombie.

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Eine Antwort zu Der Eulenzombie ist tot…

  1. Pingback: Rückwirkende Eigenkonsistenz | eulenzombie

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