Dienstagsgeschichte

Frieda stand auf der Klippe und blickte aufs Meer. Die grauen Wellen schlugen unerbittlich gegen die Felsen, weit unter ihren Füßen. Bald sollten sie die Klippen gänzlich ausgehöhlt haben, so dass auch sie Teil des Ozeans würden. Aber nicht all zu bald, wenn man es in menschlichen Zeitspannen betrachtet, dachte sich Frieda, die den Wind in ihren Haaren genoss. „Welche Kunde bringst du, Wind?“ fragte sie ihn, doch der Wind antwortete wie immer nur mit weißem Rauschen. Man kriegte einfach kein gutes Signal hier oben.

Frieda stand auf der Klippe und blickte aufs Meer. Die grauen Wolken türmten sich am Himmel. Bald sollten sie ins Land ziehen und die Pflanzen mit ihrem Regen beglücken. Ein Teil des Regens würde versickern und zurück ins Meer fließen, so dass er wieder Teil des Ozeans würde. Auch der Rest des Wassers würde irgendwann wieder ins Meer zurück finden. „Ich sollte hinaus segeln“, dachte sich Frieda, die nach Zeichen in den Wolken suchte. Doch die Wolken formten wie immer nur eine amorphe Masse aus winzigsten Wassertröpfchen. Wenn sie doch mal ein Bild zeigten, so war es nur eine Einbildung der Betrachterin. Man kriegte einfach keine objektiven Nachrichten hier oben.

Frieda stand auf der Klippe und blickte aufs Meer. Außer dem Wind, den Wolken, dem Wasser, dem Felsen und ihr selbst gab es hier oben eigentlich nichts. Wenn man es recht betrachtet, ist das allerdings schon eine ganze Menge, dachte sich Frieda, die so langsam anfing zu frieren. „Im Grunde fehlt gar nichts, aber nächstes mal sollte ich Tee mitnehmen“ sagte Frieda zu sich selbst. Als sie sich zum Gehen drehte, setzte der Wind ihr die Kapuze auf. Kurz darauf begann der Regen.

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