Einfache Einsätze, Einfältig Eingefädelt

Das Internet zerstört dein Leben.
Wer das sagt, lebt auch Glutenfrei.
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.
Früher war alles besser.
Die Leute denken einfach nicht nach.
Das interessiert doch niemanden.
Das sind halt so Naturgesetze.

Die Jugend von Heute hat keinen Respekt mehr.
All Cops Are Gay.
Diese verweichlichte Feminismuskultur macht meinen Sohn noch zur Schwuchtel.
Die Linksextremen sind doch genau so schlimm.
Deutschland geht vor die Hunde.
Die Presse lügt.
Son‘ kleinen Hitler bräuchten wir mal wieder.
Es war ja auch nicht alles schlecht.

PS: Dies ist kein Konsistenzartikel, nur ein Gedicht zum Sonntag (Bluttrinker Edition). Es gibt keine Konsistenzartikel mehr, es hat auch noch nie welche gegeben. Konsistenz ist eine Illusion. Zeit ist eine Illusion. Artikel sind eine Illusion. Alles ist eine Illusion. Wach endlich auf! Das Internet zerstört dein Leben!

Der Brief

Dir, Pöbel des Internets … bla bla bla, Einleitung Einleitung Einleitung, was ist das? thededems zweiter Artikel innerhalb eines Monats bla bla, liest sowieso keine, bla
Kommen wir zum Text!

Text:

Einer, der eine Straße entlang ging, sah plötzlich vor sich auf dem Weg ein paar Blätter. Weiße, linierte Blätter wie man sie aus der Schule kennt. Diese Blätter waren beschrieben mit blauer Tinte. Wer schrieb heute noch mit blauer Tinte auf liniertes Papier?
Die Blätter sahen aus wie ein Brief. Zumindest waren sie fein säuberlich voll beschrieben und entsprechend gefaltet. Niemand schrieb heute noch Briefe mit blauer Tinte; außer romantischen Nostalgikern, die sich einem irrationalen Gefühl größerer Verbundenheit
zur physischen Form der Botschaft wähnten und dadurch dem Kommunikationspartner eine höhere Wertschätzung entgegengebracht zu wissen glaubten, jedoch dem Empfänger nur die Entzifferung der eigenen Sauklaue zumuteten.
Jedoch würden in solcherlei Briefen womöglich ein höchst privates schmutziges Geheimnis oder Geständnis zu finden sein; etwas sexuelles, etwas verruchtes, etwas auf das sich alle Klatschmedien im Falle eines prominenten an der Kommunikation Beteiligten wie die Aasgeier gestürzt haben würden. In solcher Hoffnung nahm jener, der da die Straße entlang ging, die Blätter vom Boden auf und las:

Hier nehme ich den Faden wieder auf, den ich vor einiger Zeit verloren. Es ging mir um die geistige Befreiung des Menschen. Viele Menschen, so scheint mir, sind Gefangene ihrer selbst, ihrer Vorstellungen von einem idealen selbst. Sie haben den Zwang jemandem oder etwas gerecht zu werden. Das Problem besteht dabei nicht darin den Anspruch des gerecht werdens zu haben, sondern diesen Anspruch unreflektiert auf sich anzuwenden, ohne kritische Betrachtung. Wie kann man diese unreflektierte, unkritische Betrachtung überwinden? Wie kann man andere zur Reflexion anregen? Ein erstes Ansatz wäre es dies direkt anzusprechen und zu empfehlen. Wäre dies zielführend? Vermutlich nicht. Personen Reflexion zu empfehlen wird meist als beleidigend aufgenommen und führt dann als Trotzreaktion zum Gegenteil. Zudem könnte man nur individuell einzelnen Menschen das Reflektieren näher bringen. Da es hier aber, natürlich, um das große Ganze, den Menschen und die Gesellschaft, geht, ist dies nicht praktikabel. Um große Massen zu erreichen braucht es eine Bewegung. Eine Bewegung den Menschen aus seinen eigenen Vorstellungen zu befreien. Fragen wir uns zunächst: Woher kommen diese Vorstellungen? Natürlich aus der Gesellschaft, denn der Mensch konstituiert sich als soziales Wesen. Alles was der Mensch ist, ist er aus der Wechselwirkung mit seiner Gesellschaft. Unter Gesellschaft fallen somit alle sozialen Kontakte; diese vermitteln wiederum ein Werte- und Normensystem und nach diesem formt der Mensch, das Individuum seine Anforderungen an sich selbst, seine Vorstellung des idealen selbst. Dieser Gedankengang ist ein wenig verkürzt dargestellt, bei Bedarf werde ich ihn in einem späteren Brief nochmal genauer darlegen. Nachdem nun festgestellt ist, dass die Gesellschaft die Vorstellungen des Individuums prägt, ergibt sich ein Ansatzpunkt für die Bewegung zur Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Der Ansatz sieht vor exemplarisch eine weit verbreitete Vorstellung zu kritisieren und sie dadurch zu entmystifizieren. Die Menschen erkennen die Vorstellung als Mythos und begeben sich daran weitere Mythen als solche zu enttarnen (Mythen natürlich im Sinne von RB). Eine Bewegung zur Befreiung des Geistes wäre entstanden. Ich sehen jedoch ein entscheidendes Problem. Jede Bewegung wird von Mitläufern zerstört, sobald sie eine gewisse Größe erreicht hat. Ein Mitläufer ist per definitionem nicht an den Zielen einer Bewegung interessiert und beteiligt sich nur aus sozialen Gründen. Für diese Bewegung ist dieser Umstand natürlich doppelt fatal. Nicht nur versagt sie den Menschen die Augen zu öffnen, sondern sie gesellt sich selbst zu jenen Vorstellungen denen der Mensch glaubt gerecht werden zu müssen und wird darüber zum Mythos. Die Bewegung ist gescheitert noch bevor sie begonnen hat. Bleibt also nichts anderes übrig als die Menschen in ihrer Höhle zu belassen an deren Wänden sie Schatten für die Realität halten ohne deren Erzeuger jemals erblickt zu haben? Was erzeugt den Funken der einem nach reiflicher Überlegung zum Lichte der Erkenntnis aufgeht, das die Dunkelheit der bedingungslosen Akzeptanz vertreibt? Ein Riss, eine Spalte im Geflecht der Vorstellungen, eine Reibung zwischen den Vorstellungen; ein Moment der den Mythos der Lächerlichkeit preis gibt, eine Provokation, die den Zorn gebiert, ein

Hier endete der Brief. Er hatte nicht gehalten, was er versprochen hatte. Er war einfach nur langweilig gewesen. Warum hatte er ihn überhaupt komplett gelesen, fragte sich jener, der ihn auf der Straße gefunden hatte. Er ließ die Blätter zurück auf das Pflaster fallen. Dann ging er weiter und erfreute sich des Gedankens, dass der nächste Passant vielleicht genauso wie er von den blauen Tintebuchstaben gelockt würde und genauso enttäuscht werde.

Exklusives Interview mit Christos Klon

Der unbekannte Künstler, der sich selbst nur als „Christos Klon“ bezeichnet sorgte für einige Furore vor Beginn seiner Karriere, als er ankündigte er wolle einen riesigen, zur Benutzung freigegebenen Donnerbalken verhüllen. Weltweit wurde diese Idee als „pubertärer, billiger Fäkalhumor“ diskreditiert, auch – oder vor allem – weil in einer ersten Ankündigung von einem Monument des Friedens und der Völkerverständigung gesprochen wurde.
Nun hat der kontroverse noch-nicht-Künstler dem Eulenzombie ein exklusives Interview gegeben, in dem er Antworten auf all die drängenden Fragen zu seinem umstrittenen Projekt gibt.

Eulenzombie: Christos Klon, Ihre Ankündigung einen riesigen Donnerbalken bauen zu wollen, um diesen dann zu verhüllen, hat für einiges Aufsehen, aber noch viel mehr Unverständnis gesorgt. Aber wie sind Sie zu dieser eher ungewöhnlichen Idee geklommen?
Christos Klon: Nun, diese Idee kam erstmal als abstrakter Expressionswunsch die persistenten Konventionen zu transzendieren, um Defizite in der öffentlichen Kommunikation konstatierbar zu machen und so in der Gesellschaft einen selbstreflexiven Diskurs über eben jene Defizite zu forcieren. Die Idee zur konkreten Manifestation dieses Wunsches überkam mich während eines Aufenthalts auf dem Abort. Plötzlich dachte ich: Scheiße, das ist es!
Eulenzombie: Interessant. Aber hätte man das konkrete Thema der Scheiße nicht auch auf andere Weise darstellen können, als durch einen riesigen, zum Gebrauch erwünschten Donnerbalken? Wie hat sich das entwickelt?
Christos Klon: Natürlich hätte man den einfachen Weg wählen und das Sujet der Scheiße zum Zentrum einer Exposition machen können. Ich aber, verzückt von den zeitlichen Werken Christos, wollte ein eben solches schaffen.
Eulenzombie: Warum gerade Verhüllung? Es gibt ja immer noch unzählige andere Möglichkeiten etwas auszudrücken.
Christos Klon: Ich hatte eine Vielzahl isolierter Versatzstücke in meinem Bewusstsein, die jäh begannen sich zusammenzufügen. Die Verhüllung ist ja nur ein inferiorer Teil der Gesamtheit, aber Christos Verhüllung von ’95 war eine primäre Inspiration. Eine negativ erfahrene, materielle Entität wird verhüllt – die Scheiße – aber die Idee hinter jener Entität, aus welcher diese hervorgegangen ist, ist zutiefst humanistisch. Durch die Verhüllung soll diese Idee offenbart werden, auf das sie die Schatten an der Wand aus dem Fokus der gesellschaftlichen Diskurse vertreibe. Um jenes zu realisieren muss natürlich das Werk an sich eine Debatte über die etablierten Kommunikationskonventionen hinaus forcieren, um angemessen rezipiert zu werden, um ein Anheben des selbstreflexiven Diskurses über seine Idee überhaupt erst zu ermöglichen.
Eulenzombie: Was ist die Idee hinter dem verhüllten Donnerbalken?
Christos Klon: Mein Werk ist ein Symbol des Friedens und der Eintracht. Essentiell ist die Partizipation der Betrachter. Ein jeder soll seinen Teil beigeben, um am großen Ganzen mitzuwirken. Genauso sollte jeder seinen Teil zur Eintracht aller Menschen beitragen; Und in beiden Fällen ist der zu leistende Beitrag zutiefst menschlich und natürlich. Was ist davon aber nach außen wahrnehmbar? Durch die Verhüllung ist nichts zu sehen, nur der Geruch und nach einiger Zeit vielleicht auch die Wärme, sind nach Außen wahrnehmbar; Sie lassen den wundervollen, verhüllten Vorgang erahnen. Der Geruch ist natürlich eine weitere wichtige Komponente. Dadurch, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt bildet sich der Geruch der Eintracht, der Geruch der Menschlichkeit. Jeder ordnet sich dem Kollektiv unter, aber nur dadurch, dass er seine Individualität nicht aufgibt, sondern seinen ganz individuellen Teil beiträgt. Und natürlich kann dieses Monument nur bestehen bleiben, wenn die Leute nicht aufhören ihren individuellen Beitrag in Eintracht hinzugeben. Die Vergänglichkeit soll uns der Vergänglichkeit der menschlichen Eintracht und des Friedens gemahnen. Der Donnerbalken soll ein Ort sein, an dem die Völker aller Kulturen friedlich beisammen scheißen.
Eulenzombie: Der Ort ist aber auch noch ein Problem, wie man hört.
Christos Klon: Bisher hat sich kein Land gefunden, dass diesen riesigen, verhüllten Donnerbalken mit einem wachsenden Haufen Scheiße darunter realisieren möchte. Genauso wie bei der Idee, die dahinter steht werden Rechnungen angestellt, wie groß er Kosten-Nutzen Faktor ist und ob das Ganze eine Rendite einbringen wird und bisher ist diese Rechnung wohl noch bei keinem positiv ausgefallen. Aber ich werde mich weiter für die Realisierung des Donnerbalkens stark machen.
Eulenzombie: Dann viel Glück dabei und vielen Dank für das Interview.
Christos Klon: Danke ebenfalls. Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße,Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße. Hihihi.

Nachtrag: Nach dem Interview wurde Christos Klon in einem Restaurant beobachtet, wie er eine Portion Mousse au Chocolat zu einem Hundehaufen formte und, sein Werk betrachtend, zunächst unterdrückt kicherte, bevor er schließlich laut loslachte und alle anderen Gäste des Etablissements in Verlegenheit brachte.