2017, Seife, etc.

Dir, Pöbel des Internets!

Hier, aha, oho, ein neuer Artikel auf diesem fabulösen Blog, der doch so gern vor sich hin schlummert. Da es sogar der erste diesen Jahres ist, bleibt es wohl an mir noch ein frohes Neues zu wünschen, auch wenn es längst nicht mehr so neu ist. Ob es nun ein frohes sei, mag jeder selbst entscheiden.
Auch im neuen Jahr wird der Eulenzombie natürlich auf literarisch niedrigstem höchstem Niveau operieren: Er bleibt ein Qualitätsmedium. Und nun beginnt es sogleich mit Seife.

Das Vergehen der Seife

Das Wasser floss lautlos in den Abfluss. Sie war dünn wie Papier. Das nächste Mal würde sie sich ganz auflösen, die schwarze Seife. Es war als wäre ihrem einst runden Körper mit der Zeit die schaumige Luft entwichen, gleich einem Ballon, und nun war sie ganz platt.
Warum fielen ihm immer solche seltsame Sätze ein, wenn er ganz alltägliche Dinge beobachtete? Machten andere dies auch? Vor kurzem hatte er gelesen, dass das laute Selbstgespräch keinesfalls ein Anzeichen für einen sich anbahnenden Wahnsinn sei, sondern, eher im Gegenteil, bei der Konzentration, dem Umgang mit Stress und dem emotionalen Haushalt allgemein helfe. Dies hatte ihm Hoffnung gegeben, vielleicht doch ganz normal zu sein, und nicht besonders oder verrückt oder besonders verrückt, weil er, natürlich nur wenn niemand anderes dabei war, gerne vor sich hin sprach, oder eher brabbelte, und dann auch über seine eigenen Aussprüche sich belustigte und dann amüsiert sich vorstellte, wie er von Fremden dabei beobachtet würde, und diese würden ihn für verrückt halten, obwohl er ja sein eigenes verrücktes Tun erkannte und darüber selbst lachte, was aber noch wahnsinniger wirken musste, und dann wurde er still und ernst und blickte sich verstohlen um, ob nicht doch jemand da sei und ihn beobachtete, aber da war natürlich niemand und dann lachte er über seine eigene Verschrobenheit.
Wenn nun das Selbstgespräch aber sogar gesund sei, in einem gewissen Sinne, dann gab es gar keinen Grund es zum Ausdruck von Wahnsinn zu erklären. Vielmehr hatte man nun einen logischen Grund, konnte sagen: Ich spreche und lache mit mir selbst, weil ich mich so besser konzentrieren und mit all dem Stress umgehen kann. Und dann war das Selbstgespräch vielleicht gar nicht so geächtet, wie er dies immer geglaubt hatte, wenn schon ein Artikel dazu auf der Homepage einer großen, deutschen Tageszeitung erschien und das Selbstgespräch verteidigte. Vielleicht sprachen alle Menschen mit sich im Geheimen und rümpften nur die Nase darüber, um ihr Gesicht zu wahren; oder rümpften überhaupt nicht ihre Nase und hatten nur den Eindruck alle außer ihnen würden die Nase rümpfen, weil sie es erwarteten. Vielleicht war dies auch nur bei ihm der Fall und eigentlich hätte er sein ganzes Leben frei und laut vor sich hinbrabbeln können und niemand hätte jemals die Nase gerümpft. Und vielleicht dachten auch alle solche komischen Sätze bei dem Anblick von etwas ganz alltäglichem und versanken daraufhin in Grübeleien über sich und die anderen und Selbstgespräche. Aber wahrscheinlich war dies nur bei ihm so. Immerhin hatte er darüber noch keinen Artikel auf der Homepage einer großen, deutschen Tageszeitung gelesen, obwohl es dort im Allgemeinen ziemlich viel zu lesen gab.
Möglicherweise lag es daran, dass er sein Leben als Erzählung sehen wollte, in der spannende Dinge passierten, die den Leser und Protagonisten überraschten. Eben kein gewöhnliches Leben führen, sondern eines, in dem sich hinter allen Einzelheiten ein philosophischer Gedanke, ein symbolischer Gehalt verbarg, auch oder gerade in den alltäglichen Dingen. Und so fantasierte er ganze Abhandlungen in das Vergehen der Seife, aber traute sich noch nicht einmal in der Öffentlichkeit mit sich selbst zu reden, solch eine kauzige Eigenart anzunehmen und sich so einen einprägsamen, für den Leser interessanten Charakterzug zu geben. Doch er war so still, wie das seifige Wasser nun im Abfluss versank.

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Dies aber sagte die Prophetin, als sie nach Tagen der Meditation von dem Berge herunter stieg:

Es wird die Zeit kommen, da ein großes Ereignis geschieht, und ihr werdet daran denken, wie ich es weissagte. Euer Leben aber, es wird sich ändern von diesem Tag an dem ihr erkennt, was es auf sich hat mit dem großen Gefühl, das in euch allen wohnt.

Und so einsam ihr euch jetzt fühlt, wenn ihr doch ganz ehrlich zu euch seid, denn niemand kennt euch doch wirklich, und alles was ihr vor euresgleichen verbergt und mit niemandem teilt, und all die Zweifel, die an euch bisweilen nagen, und all die Angst vor dem Unbekannten und die Angst vor dem Tod, sie werden dahin schmelzen und es wird Sommer sein.

Doch eines muss noch geschehen, auf dass diese Prophezeiung war werden kann, nur eines müsst ihr tun, um diese Worte wahr zu machen, und diese eine ist:

Da aber wurde sie von einem Anhänger des militanten Zweigs der Philosophenlobby erschossen.

Repetition

Dir, Pöbel des Internets!

Zur Erbauung, so es denn taugt. Sonst nimm es leichten Herzens und lache. Stille Wasser mögen tief sein, doch trockene Brunnen führen kein Wasser. Aber sind sie deshalb weniger tief? Die Antwort wartet in folgendem Gedicht.

Es ist Zeit

Es ist Zeit!
Wann hat die Angst gesiegt über offene Türen hin zu leuchtender Dunkelheit?

Schwer ist der Geist der
Schwer isst der Geist der
Schwer ist der Geist der
Schwer isst der Geist der
  [beginne wieder von vorn]
              Oder von hinten!

Wie wäre das?
      Nicht etwas das du magst
      Als du so da lagst
      Und noch immer nicht wagst
      Und noch immer dich fragst
Weil du nicht:
      Magst
Und nicht:
      Wagst
Sondern nur:
      Lagst
Und:
  Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst
  Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst
  Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst
  Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst Fragst Nagst

Jedes Wort drehen und winden
Hineinzusteigen und nicht mehr!
 Herauszufinden
Was du eigentlich wolltest

Aber wer weiß das schon?
  [dieses gedicht ganz sicher
              nicht]

Was haben wir gelernt?

Wiederholung: Wiederholung
  [zu einfach, mehr elan bitte]

Wiederholung: Alles was bisher geschah
  [nicht zielstrebig genug]

Widderholung: Substantiv, feminin; Verballhornung des Wortes „Rehkapitulation“, frei erfunden; beschreibt die traditionelle Jagd nach einem Hol (Paarhufer) bei eingeborenen Alpenstämmen; dient dem Beweis der Männlichkeit und der Festigung des Patriarchats
  [nur leidlich besser; egal]

Freundlicher Schlusssatz:
Das nächste Mal wird es besser
  [vorne wieder am beginn]

Make the Eulenzombie Great Again!

Pöbel des Internets!

Wir stehen an einer historischen Wende. Lange wurde der Eulenzombie für tot erklärt, er wurde ignoriert und belächelt. Wie häufig haben seine Gegner gesagt: Aha, interessant; und doch nur knapp unter der Oberfläche, diese gleichsam durchscheinend und ohne wirkliche Anstalten zum Verbergen, Gedanken von Desinteresse und Ignoranz genährt. Der Eulenzombie wurde verachtet und war nicht mehr als ein Witz für die Mächte des Fakts. Doch, das sage ich dir, oh Pöbel: Diese Zeiten haben nun ein Ende!

Der Eulenzombie wird sich nicht weiter ausblenden und gleichsam verbannen lassen. Er selbst sagt: Die Zeit der Unterdrückung ist vorbei. Vorbei ist die Zeit im Schatten, abgedrängt am Rande, ausgegrenzt, vorbei die Zeit der Unerhörtheit, vorbei die Zeit der Verdammung! Der Eulenzombie ist eine feste Institution und jedermann, der dies nicht anzuerkennen bereit ist verweigert sich im selben Atemzug der Wahrheit. Die Wahrheit lautet, dass der Eulenzombie eine Macht ist; und die Mächte des Fakts fürchten ihn und erkennen ihn sodann als Macht an.

Doch, oh Pöbel, schaudere nicht, denn keine Veranlassung dazu sollst du verspüren. Jeder Feind des Eulenzombies mag zurecht in ein Heulen und Zähneklappern verfallen, doch allen anderen sei gesagt: Der Eulenzombie ist mit euch! Der Eulenzombie ist für alle da! Unter seiner starken Hand muss kein Pöbel etwas fürchten, denn der Eulenzombie ist ein Eulenzombie allen Pöbels und mahnt: Pöbel aller Länder, vereinigt euch! Jeder Pöbel mag nach eigenem Dünkel pöbeln solange er nur pöbelt. Alle jene, die nicht pöbeln, die den Fakt suchen oder gar dem Argument folgen sind erklärte Feinde des Eulenzombies. Ihnen ruft er zu: Ich bin die neue Zeit! Schwört ab euren alten Mächten und wisset, dass allein der Pöbler sich gehört verschaffen wird im tosenden Sturm des Wandels.

Die Zeit des Eulenzombies ist jetzt und er wird werden, wie er einst war und nie aufgehört hat zu sein. Das ist die Wahrheit. Niemals wird er sich ändern, immer gleich bleiben und zu alter Größe zurückfinden, die er niemals verloren hat.

Die Mächte des Fakts haben den Eulenzombie für obsolet erklärt und so verkannt, dass der Fakt und nicht die Pöbelei längst der Bedeutungslosigkeit anheim gefallen ist. Der Pöbel dürstet nicht nach Argumenten – er verabscheut sie – allein, er will pöbeln. Es ist dem Pöbel auch nicht umhin nach Gerechtigkeit oder Wohlstand zu streben – allein, er will pöbeln. Seine Lage interessiert ihn nur insoweit er sich fragt: Bin ich frei zu pöbeln, oder bin ich es nicht? Der Pöbel erkennt nur das Gesetz des Pöbelns an, dass da lautet: Das Pöbeln ist frei und soll nur behindert werden durch das Pöbeln eines Lauteren. Die Mächte des Fakts verkennen diese Wahrheit in ihrer Verblendung, denn sie verstehen nichts vom Pöbeln und sind folgsam entmachtet. Der Eulenzombie jedoch tritt hervor und begehrt auf gegen die Mächte des Fakts und schmettert sie nieder und nimmt so seinen angestammten Platz ein, der ihm seit jeher gebührt. Zu alter Stärke wird der Eulenzombie finden, denn wisset: Dies ist die Wende der Zeiten.
Dies ist das Zeitalter des Eulenzombies!

Make the Eulenzombie Great Again!

Wer Kinder glücklich macht, wird ein glücklicher Mensch

Dir, Pöbel des Internets!

Nun! Endlich! Zugegebenermaßen! Doch von vorn.

Vor vielen Jahren, als der Eulenzombie noch jung und frisch und voller Leben war, da wanderte ich, euer werter Autor und Pöbler, durch die Straßen der großen Stadt und sah, man glaubt es kaum, ein Plakat. An einer Bushaltestelle, in der Fußgängerzone, beim Einkaufen, der erste Kontakt ist im Einerlei der Erinnerung entschwunden. Doch hinterließ es einen so bleibenden Eindruck, dass es mich bis heute verfolgt und wenn jedes Jahr eine Neuauflage des Plakats erscheint, denke ich zurück und denke, dass ich mir schon vorher dachte, dass unbedingt ein Eulenzombieartikel aus diesem Plakat, bzw. diesen Plakaten erwachsen müsse. Doch nie ist es dazu gekommen, weil … siehe hier.

Nun aber! Endlich! Nach all den Jahren! Ein Artikel über die Plakate der GOLDENEN BILD DER FRAU! (Disclaimer: Ich habe mich nicht mit dieser verliehenen Auszeichnung, den nominierten Frauen, deren Tätigkeiten oder sonst wie mit irgendwelchen Hintergründen aufgehalten, die Plakate haben auch jegliche Lust dazu geraubt.)

Das erste Mal, dass mir diese Plakate aufgefallen sind, stand auf einem folgender Satz:

Wer Kinder glücklich macht, wird ein glücklicher Mensch

Als geübter Satiriker und Zyniker hatte ich dabei direkt diese Idee im Kopf:

wer_kinder_gluecklich_macht_kleinSeither sind die Sprüche, mit denen jedes Jahr die Anwärterinnen auf die Auszeichnung der Goldenen Bild der Frau (übrigens meistens älteren Semesters und weiß) beworben werden an Allgemeinplätzen und Reißerischkeit nicht zu überbieten.

Hier drei der Sprüche aus der diesjährigen Kollektion, in neuem graphischen Gewand. Das traurige an der ganzen Sache ist, dass das Engagement der Frauen vermutlich richtig und wichtig ist (z.B. Einsatz für Waisenkinder in Afrika, Einsatz gegen die Verschmutzung der Weltmeere). Doch wenn das Zitat nach einem Werbespruch für einen Blockbuster klingt, dann sei es so:

waisenkinder_kleinmeeresuntergang_kleintiertherapie_kleinEine weitere Frage, die sich bei der Goldenen Bild der Frau stellt ist, warum die Trophäe an sich eigentlich eine so dürre Frau darstellt und aussieht wie ein weiblicher Oscar. Aber lassen wir das.