Der Brief

Dir, Pöbel des Internets … bla bla bla, Einleitung Einleitung Einleitung, was ist das? thededems zweiter Artikel innerhalb eines Monats bla bla, liest sowieso keine, bla
Kommen wir zum Text!

Text:

Einer, der eine Straße entlang ging, sah plötzlich vor sich auf dem Weg ein paar Blätter. Weiße, linierte Blätter wie man sie aus der Schule kennt. Diese Blätter waren beschrieben mit blauer Tinte. Wer schrieb heute noch mit blauer Tinte auf liniertes Papier?
Die Blätter sahen aus wie ein Brief. Zumindest waren sie fein säuberlich voll beschrieben und entsprechend gefaltet. Niemand schrieb heute noch Briefe mit blauer Tinte; außer romantischen Nostalgikern, die sich einem irrationalen Gefühl größerer Verbundenheit
zur physischen Form der Botschaft wähnten und dadurch dem Kommunikationspartner eine höhere Wertschätzung entgegengebracht zu wissen glaubten, jedoch dem Empfänger nur die Entzifferung der eigenen Sauklaue zumuteten.
Jedoch würden in solcherlei Briefen womöglich ein höchst privates schmutziges Geheimnis oder Geständnis zu finden sein; etwas sexuelles, etwas verruchtes, etwas auf das sich alle Klatschmedien im Falle eines prominenten an der Kommunikation Beteiligten wie die Aasgeier gestürzt haben würden. In solcher Hoffnung nahm jener, der da die Straße entlang ging, die Blätter vom Boden auf und las:

Hier nehme ich den Faden wieder auf, den ich vor einiger Zeit verloren. Es ging mir um die geistige Befreiung des Menschen. Viele Menschen, so scheint mir, sind Gefangene ihrer selbst, ihrer Vorstellungen von einem idealen selbst. Sie haben den Zwang jemandem oder etwas gerecht zu werden. Das Problem besteht dabei nicht darin den Anspruch des gerecht werdens zu haben, sondern diesen Anspruch unreflektiert auf sich anzuwenden, ohne kritische Betrachtung. Wie kann man diese unreflektierte, unkritische Betrachtung überwinden? Wie kann man andere zur Reflexion anregen? Ein erstes Ansatz wäre es dies direkt anzusprechen und zu empfehlen. Wäre dies zielführend? Vermutlich nicht. Personen Reflexion zu empfehlen wird meist als beleidigend aufgenommen und führt dann als Trotzreaktion zum Gegenteil. Zudem könnte man nur individuell einzelnen Menschen das Reflektieren näher bringen. Da es hier aber, natürlich, um das große Ganze, den Menschen und die Gesellschaft, geht, ist dies nicht praktikabel. Um große Massen zu erreichen braucht es eine Bewegung. Eine Bewegung den Menschen aus seinen eigenen Vorstellungen zu befreien. Fragen wir uns zunächst: Woher kommen diese Vorstellungen? Natürlich aus der Gesellschaft, denn der Mensch konstituiert sich als soziales Wesen. Alles was der Mensch ist, ist er aus der Wechselwirkung mit seiner Gesellschaft. Unter Gesellschaft fallen somit alle sozialen Kontakte; diese vermitteln wiederum ein Werte- und Normensystem und nach diesem formt der Mensch, das Individuum seine Anforderungen an sich selbst, seine Vorstellung des idealen selbst. Dieser Gedankengang ist ein wenig verkürzt dargestellt, bei Bedarf werde ich ihn in einem späteren Brief nochmal genauer darlegen. Nachdem nun festgestellt ist, dass die Gesellschaft die Vorstellungen des Individuums prägt, ergibt sich ein Ansatzpunkt für die Bewegung zur Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Der Ansatz sieht vor exemplarisch eine weit verbreitete Vorstellung zu kritisieren und sie dadurch zu entmystifizieren. Die Menschen erkennen die Vorstellung als Mythos und begeben sich daran weitere Mythen als solche zu enttarnen (Mythen natürlich im Sinne von RB). Eine Bewegung zur Befreiung des Geistes wäre entstanden. Ich sehen jedoch ein entscheidendes Problem. Jede Bewegung wird von Mitläufern zerstört, sobald sie eine gewisse Größe erreicht hat. Ein Mitläufer ist per definitionem nicht an den Zielen einer Bewegung interessiert und beteiligt sich nur aus sozialen Gründen. Für diese Bewegung ist dieser Umstand natürlich doppelt fatal. Nicht nur versagt sie den Menschen die Augen zu öffnen, sondern sie gesellt sich selbst zu jenen Vorstellungen denen der Mensch glaubt gerecht werden zu müssen und wird darüber zum Mythos. Die Bewegung ist gescheitert noch bevor sie begonnen hat. Bleibt also nichts anderes übrig als die Menschen in ihrer Höhle zu belassen an deren Wänden sie Schatten für die Realität halten ohne deren Erzeuger jemals erblickt zu haben? Was erzeugt den Funken der einem nach reiflicher Überlegung zum Lichte der Erkenntnis aufgeht, das die Dunkelheit der bedingungslosen Akzeptanz vertreibt? Ein Riss, eine Spalte im Geflecht der Vorstellungen, eine Reibung zwischen den Vorstellungen; ein Moment der den Mythos der Lächerlichkeit preis gibt, eine Provokation, die den Zorn gebiert, ein

Hier endete der Brief. Er hatte nicht gehalten, was er versprochen hatte. Er war einfach nur langweilig gewesen. Warum hatte er ihn überhaupt komplett gelesen, fragte sich jener, der ihn auf der Straße gefunden hatte. Er ließ die Blätter zurück auf das Pflaster fallen. Dann ging er weiter und erfreute sich des Gedankens, dass der nächste Passant vielleicht genauso wie er von den blauen Tintebuchstaben gelockt würde und genauso enttäuscht werde.

Ein Gedanke zu „Der Brief

  1. Schottland scheint deinem Blogging gut zu tun. Womöglich muss ich nun doch mehr als einen Artikel im Monat verfassen, um nicht im Konkurrenzkampf, der natürlich die eigentliche Daseinsberechtigung dieses Blogs ist, unterzugehen.

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