Ein Ungewöhnlicher Tag

Es war ein heißer Sommermorgen, jener Tag. Freilich kam ein Teil der Hitze daher, dass ich lichterloh brannte, doch dies schien meinen Körper und die Einrichtung nicht wirklich zu irritieren. Noch schlaftrunken versuchte ich zunächst, mich zu Duschen, wobei allerdings nicht viel mehr heraus kam als ein Badezimmer voller Wasserdampf, und so dachte ich mir, dass mein Körper durch das ihn umgebende Inferno schon ausreichend steril sei. So legte ich denn meine Tageskleidung an, welche sich wie die Einrichtung verhielt, also dem Feuer wenig Bedeutung zu maß.

Brennend zu frühstücken war eine neue Erfahrung für mich, da die Nahrung schon vor dem eigentlichen Kauvorgang verbrannte beziehungsweise verdampfte, so dass ich sie eher einatmete als herunter schluckte, wobei sich dennoch rasch ein Sättigungsgefühl einstellte. Ich begab mich also auf den Weg zur Arbeit. Kaum, dass ich das Haus verließ, wurde mir unzweifelhaft klar, dass offensichtlich auch alle anderen Menschen in Flammen standen, was mir die Veränderung noch unbedenklicher erscheinen ließ. Ein Motorradfahrer fuhr vorbei, und ich fühlte mich unweigerlich an Ghostrider (die Comicfigur, nicht den real existierenden) erinnert. Das Grau der Stadt wirkte beinah freundlich, beleuchtet von all diesen brennenden Körpern, jeder ein wenig anders gestaltet in Flammenform- und Farbe.

Die Arbeit verlief Ereignislos, niemand schien sich wirklich an der neuerlichen Erscheinungsform des menschlichen Körpers zu stören, und obwohl Menschen sich ja häufig nicht scheuen, das Offensichtliche fest zu stellen, gab es keine Gespräche etwa der Form:
„Ah, ihr seit heute also auch brennend aufgewacht?“
„Ja, war ne ganz schöne Sauerei im Bad mit dem ganzen Kondenswasser.“
„Mein Hund hat sich vielleicht erschrocken!“
„Haha, jaja, ich muss dann auch mal wieder weiter Arbeiten…“
„Okay, frohes Schaffen.“

Da ich aber ohnehin keinen großen Gefallen an derlei inhaltsarmen Smalltalk finde, störte mich diese Tatsache wenig. Eben so wenig störte ich mich daran, dass sich mein Arbeitsplatz im Laufe des Tages auf gut 1000°C aufheizte, zumal dies den Materialien und Möbeln wiederum nichts aus machte.

Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause passierte ich, wie jeden Tag, einen See, und heute saßen dort einige Jugendliche am Ufer um ein Lagerfeuer versammelt. Da dies ob ihrer brennenden Körper ein besonderes Spektakel war, beschloss ich Halt zu machen und mir die Sache näher an zu sehen. Einer der Jugendlichen spielte Gitarre, und ich konnte nicht umhin, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Situation zu dem legendären Jimi Hendrix Konzert zu ziehen, bei welchen er seine Gitarre verbrannte. Ich folgte einer spontanen Eingebung und ging auf das Feuer zu, welches eher ein Freuden- als ein Lagerfeuer war, es war ziemlich beeindruckend. Offenbar wurde hier sehr viel Strauchschnitt entsorgt.

Sehr neugierig stieg ich in das Feuer und konnte feststellen, was ich erwartet hatte: Die Flammen vernichteten meine Kleidung (es handelte sich schließlich um inhumanes Feuer), beeinflussten meinen Körper jedoch nicht im geringsten. Seltsamerweise wirkten die Jugendlichen Anfangs extrem perplex, kurz darauf begannen sie wie wild zu schreien und herum zu rennen. Einer versuchte sogar, mich aus dem Feuer heraus zu ziehen, und einige andere rannten mit Eimern in Richtung See.
Ich jedoch fühlte mich sehr wohl, die Flammen fühlten sich wie eine Decke an, und so fiel ich langsam in einen sehr tiefen Schlaf.

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