Exklusives Interview mit Christos Klon

Der unbekannte Künstler, der sich selbst nur als „Christos Klon“ bezeichnet sorgte für einige Furore vor Beginn seiner Karriere, als er ankündigte er wolle einen riesigen, zur Benutzung freigegebenen Donnerbalken verhüllen. Weltweit wurde diese Idee als „pubertärer, billiger Fäkalhumor“ diskreditiert, auch – oder vor allem – weil in einer ersten Ankündigung von einem Monument des Friedens und der Völkerverständigung gesprochen wurde.
Nun hat der kontroverse noch-nicht-Künstler dem Eulenzombie ein exklusives Interview gegeben, in dem er Antworten auf all die drängenden Fragen zu seinem umstrittenen Projekt gibt.

Eulenzombie: Christos Klon, Ihre Ankündigung einen riesigen Donnerbalken bauen zu wollen, um diesen dann zu verhüllen, hat für einiges Aufsehen, aber noch viel mehr Unverständnis gesorgt. Aber wie sind Sie zu dieser eher ungewöhnlichen Idee geklommen?
Christos Klon: Nun, diese Idee kam erstmal als abstrakter Expressionswunsch die persistenten Konventionen zu transzendieren, um Defizite in der öffentlichen Kommunikation konstatierbar zu machen und so in der Gesellschaft einen selbstreflexiven Diskurs über eben jene Defizite zu forcieren. Die Idee zur konkreten Manifestation dieses Wunsches überkam mich während eines Aufenthalts auf dem Abort. Plötzlich dachte ich: Scheiße, das ist es!
Eulenzombie: Interessant. Aber hätte man das konkrete Thema der Scheiße nicht auch auf andere Weise darstellen können, als durch einen riesigen, zum Gebrauch erwünschten Donnerbalken? Wie hat sich das entwickelt?
Christos Klon: Natürlich hätte man den einfachen Weg wählen und das Sujet der Scheiße zum Zentrum einer Exposition machen können. Ich aber, verzückt von den zeitlichen Werken Christos, wollte ein eben solches schaffen.
Eulenzombie: Warum gerade Verhüllung? Es gibt ja immer noch unzählige andere Möglichkeiten etwas auszudrücken.
Christos Klon: Ich hatte eine Vielzahl isolierter Versatzstücke in meinem Bewusstsein, die jäh begannen sich zusammenzufügen. Die Verhüllung ist ja nur ein inferiorer Teil der Gesamtheit, aber Christos Verhüllung von ’95 war eine primäre Inspiration. Eine negativ erfahrene, materielle Entität wird verhüllt – die Scheiße – aber die Idee hinter jener Entität, aus welcher diese hervorgegangen ist, ist zutiefst humanistisch. Durch die Verhüllung soll diese Idee offenbart werden, auf das sie die Schatten an der Wand aus dem Fokus der gesellschaftlichen Diskurse vertreibe. Um jenes zu realisieren muss natürlich das Werk an sich eine Debatte über die etablierten Kommunikationskonventionen hinaus forcieren, um angemessen rezipiert zu werden, um ein Anheben des selbstreflexiven Diskurses über seine Idee überhaupt erst zu ermöglichen.
Eulenzombie: Was ist die Idee hinter dem verhüllten Donnerbalken?
Christos Klon: Mein Werk ist ein Symbol des Friedens und der Eintracht. Essentiell ist die Partizipation der Betrachter. Ein jeder soll seinen Teil beigeben, um am großen Ganzen mitzuwirken. Genauso sollte jeder seinen Teil zur Eintracht aller Menschen beitragen; Und in beiden Fällen ist der zu leistende Beitrag zutiefst menschlich und natürlich. Was ist davon aber nach außen wahrnehmbar? Durch die Verhüllung ist nichts zu sehen, nur der Geruch und nach einiger Zeit vielleicht auch die Wärme, sind nach Außen wahrnehmbar; Sie lassen den wundervollen, verhüllten Vorgang erahnen. Der Geruch ist natürlich eine weitere wichtige Komponente. Dadurch, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt bildet sich der Geruch der Eintracht, der Geruch der Menschlichkeit. Jeder ordnet sich dem Kollektiv unter, aber nur dadurch, dass er seine Individualität nicht aufgibt, sondern seinen ganz individuellen Teil beiträgt. Und natürlich kann dieses Monument nur bestehen bleiben, wenn die Leute nicht aufhören ihren individuellen Beitrag in Eintracht hinzugeben. Die Vergänglichkeit soll uns der Vergänglichkeit der menschlichen Eintracht und des Friedens gemahnen. Der Donnerbalken soll ein Ort sein, an dem die Völker aller Kulturen friedlich beisammen scheißen.
Eulenzombie: Der Ort ist aber auch noch ein Problem, wie man hört.
Christos Klon: Bisher hat sich kein Land gefunden, dass diesen riesigen, verhüllten Donnerbalken mit einem wachsenden Haufen Scheiße darunter realisieren möchte. Genauso wie bei der Idee, die dahinter steht werden Rechnungen angestellt, wie groß er Kosten-Nutzen Faktor ist und ob das Ganze eine Rendite einbringen wird und bisher ist diese Rechnung wohl noch bei keinem positiv ausgefallen. Aber ich werde mich weiter für die Realisierung des Donnerbalkens stark machen.
Eulenzombie: Dann viel Glück dabei und vielen Dank für das Interview.
Christos Klon: Danke ebenfalls. Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße,Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße, Scheiße. Hihihi.

Nachtrag: Nach dem Interview wurde Christos Klon in einem Restaurant beobachtet, wie er eine Portion Mousse au Chocolat zu einem Hundehaufen formte und, sein Werk betrachtend, zunächst unterdrückt kicherte, bevor er schließlich laut loslachte und alle anderen Gäste des Etablissements in Verlegenheit brachte.