Kein ungewöhnlicher Tag

Ich habe heute gesehen, wie vor dem Altersheim zwei Menschen in Rollstühlen auf dem Weg standen, als würden sie zum Trocknen herausgestellt.

Ich habe heute gesehen, wie ein dicklicher Jugendlicher ein überteuertes und überzuckertes Trendgetränk trank.

Ich habe heute, wieder und wieder, gesehen, wie kleinste Lichtpunkte sich wie von Zauberhand zu immer neuen Bildern formten.

Ich habe heute im Geiste gesehen, wie ein Junge durch die Zeit reiste, eine Elfe Zauber wirkte und ein Felsen explodierte.

Ich habe heute gesehen, wie jemand mit Salsa und einem Radio einen Gefängnissgitterstab auflöste.

 

Gestern Träumte ich von einem Musical aufm Wacken und die Hauptdarstellerin sang von den Zwängen der Schönheit, der Chorus war irgendwas mit Rouge, aber das tut hier nun wirlich nix zur Sache.

Wenn das RTL-Filmteam zweimal klingelt

Dir, Pöbel des Internets!

Du bist zu Hause, nichtsahnend, und plötzlich, einem  schrillen Schrei gleich, schallt die Türklingel durch die Wohnung und du bist dir sicher, dass ein Schatten auf diese deine Räume gefallen ist, wie wenn sich eine finstere Wolke vor die Sonne schiebt, ein Herold des Unheils, indem die Natur die Verwirrungen des Menschen beobachtet und mitfühlt. Verunsichert löst du dich aus deinen Tätigkeiten und gehst mit wankendem Schritt, im Gemüt stark bewegt, wer dich wohl jetzt heimsuchen möge, zur Haustür, die dich, so scheints, warnen möchte, sie nicht zu öffnen. Aber die Gebote der Höflichkeit treiben deine Schritte, wie mit Peitschenhieben, fort und befehlen dir, die Tür, dieses Portal zum Schrecken, zu öffnen. Du drückst die Klinke und auf der andere Seite wartet … ein RTL-Filmteam.

Wer kennt diese Situation nicht?

Und wer hat ihr nicht schon völlig hilflos gegenüber gestanden? Manch einer mag sich mit der Zeit eine Strategie entwickelt haben um dieser Situation möglichst glimpflich zu entgehen, doch so oft man sie auch schon gemeistert hat, ein Rest von Unsicherheit bleibt doch immer bestehen.

Diese Sorgen sind nun Schnee von gestern, denn die folgende anschauliche Anleitung zur erfolgreichen Bewältigung einer Konfrontation mit einem RTL-Filmteam, dass vor den eigenen vier Wänden lauert, wird die Sorgen zu Schnee von gestern machen!

Die Anleitung wird in dramatischer Form mit Anmerkungen präsentiert, so dass eine anschauliche, mustergültige Situation kreiert wird, deren zugrundeliegenden Mechanismen durch die Erläuterungen verständlich verdeutlicht werden. Die erklärenden Kommentare sind in kursiver Schrift gehalten.

Die arme Seele, die vom RTL-Filmteam heimgesucht wird, hat soeben nichtsahnend die Tür geöffnet und braucht etwas Zeit, um sein Gegenüber zu erkennen.
RTL-Filmteam: Guten Tag Herr …, ich bin ein RTL-Filmteam und würde Sie gerne für eine reißerische Pseudodokumentation gebrauchen. Haben Sie kurz Zeit?
An dieser Stelle ist es in jedem Falle falsch die abschließende Frage mit „Ja“, „Jo“, „Joa“, „Jau“, „Mmhm“, „Mh“ oder auch nur „Ääääh“ zu beantworten. Es gibt zwei Möglichkeiten: Ein klares „Nein“ oder ein komplettes übergehen der Frage. Die geneigte arme Seele mag sich vielleicht noch informieren wollen, worum es sich denn bei dieser reißerischen Pseudodokumentation handelt:
Heimgesuchter: Worum gehts denn bei dieser Pseudodokumentation, die ihr macht?
RTL-Filmteam: Ich würde Sie gerne über Ihren Stuhl befragen, wie Ihre Gewohnheiten beim Stuhlgang sind und was Sie zum Beispiel machen, wenn Sie schon wieder die sechs eines anderen in der Toilette finden.
Dieses Offenbaren von Interesse ist ebenfalls grundsätzlich falsch. Das Ziel ist es möglichst unbeschadet aus dieser Begegnung hervorzugehen und das heißt: Es darf kein verwertbares Filmmaterial geben. Besser ist also folgendes:
Heimgesuchter: Oh, das tut mir aber Leid, ich weiß nicht ob ich euch da helfen kann. Ich hab da grad nichts wirkungsvolles im Haus und Fachmann bin ich auf dem Gebiet auch nicht wirklich.
RTL-Filmteam: Äh, ich will Sie ja nur kurz …
An dieser Stelle darf man nicht den Fehler machen, und das Filmteam wieder zu Wort kommen lassen, das zieht die ganze Geschichte nur unnötig in die Länge.
Heimgesuchter: Nein, also habt ihrs schonmal mit einer professionellen Behandlung versucht? Aber ist wahrscheinlich ziemlich schwierig, wenn man erstmal drin ist. Es gibt doch so Ausstiegsorganisationen für Nazis, gitbs sowas nicht auch für RTL-Mitarbeiter?
RTL-Filmteam: Wir wollen nicht, … Wir wollen nur mit Ihnen …
An dieser Stelle merkt man, dass das RTL-Filmteam verwirrt ist. Es spricht von sich nicht mehr im Singular, sondern hat begonnen sich als Gruppe aus verschiedenen Individuen wahrzunehmen. In diesem Augenblick der Schwäche, kann man ein schnelles Ende mit der ganzen Situation machen.
Heimgesuchter: Ihr wollt nicht, das hab ich mir gedacht. Die Einsicht ist immer am schwersten, vor allem, wenn man nie etwas anderes kennen gelernt hat. Ich könnte euch noch eine TITANIC mit auf den Weg geben.
An dieser Stelle sollte man die Tür schließen und eine TITANIC (oder ähnliches) holen gehen, sofern man eine hat. Man muss diesen armen Kreaturen auch die Möglichkeit geben, sich aus Unmündigkeit zu befreien. Vielleicht ist das RTL-Filmteam schon seiner Wege gezogen, wenn man zurück zur Tür kommt. Wenn nicht:
Heimgesuchter: Bitter sehr, ich hab leider nicht für jeden eine. Viel Erfolg dann, es liegt eine so viel größere Welt vor euch!
Man sollte es ja nicht übertreiben. Die TITANIC sollte einfach durch die Halbgeöffnete Tür gereicht werden, um zu signalisieren, dass man keine weitere Konversation wünscht. Wenn das RTL-Filmteam dann von dannen zieht kann man noch etwas aufmunterndes hinterherrufen:
Heimgesuchter: Kopf hoch, immerhin seid ihr keine Nazis!

Und somit hat man die Begegnung mit einem RTL-Filmteam unbeschadtet überstanden.