Die Weihnachtstrilogie: Zweiter Teil

Nachdem im (unvollständigen) ersten Teil der Weihnachtstrilogie die völlig veraltete (manche sprechen von „klassisch“, aber wir wollen die Wahrheit doch beim Namen nennen) Weihnachtsgeschichte von Dickens „variiert“ wurde, möchte ich mich eher an die Hollywoodverwöhnten Leser wenden, die zum Feste ein wenig mehr Liebe erwarten. Ihr dürft gespannt sein, durch welche Irrungen und Wirrungen unser symphatischer Protagonist muss, um endlich sein großes Glück zu finden.

Das schönste Geschenk- ein Weihnachtsmärchen

„Es tut mir wirklich Leid, Jack, aber wir hatten leider keine Wahl. Ich hoffe, sie haben trotzdem schöne Feiertage.“

Der Personalmanager schien wirklich etwas geknickt. Er hatte sich vermutlich auch einen schöneren Start ins Weihnachtswochenende gewünscht. Doch nach all diesen Fehlschlägen im vergangenen Jahr viel es Jack schwer, sich noch wirklich darüber aufzuregen, dass er nun auch noch seinen Job verloren hatte. Dabei hatte das Jahr eigentlich ganz gut begonnen. Aber es machte wohl keinen Sinn, in vergangenen, schöneren Erinnerungen zu leben, dachte Jack. Er würde dieses Weihnachten wohl allein, ohne Job und mit nicht gerade den rosigsten Aussichten für die Zukunft unterm Baum sitzen. Während er seine Sachen packte, bemerkte er am Rande, wie seine Kollegen ihn bemitleideten, einige regten sich auch auf, dass ausgerechnet um diese Zeit Personal abgebaut wurde. „Wenn dies ein größeres Unternehmen wäre, hatten sie das niemals tun können, allein wegen der schlechten Presse“

„Ja, aber in solch einer Firma macht ein Monatsgehalt eben auch keinen so großen Unterschied. Die Wirtschaft nimmt nun mal keine Rücksicht auf sentimentale Feiertage“

„Ach, Tom, du warst schon immer so ein Weihnachtsmuffel. Naja, Jack, mach dir nichts draus. Bald beginnt ein neues Jahr, es kann nur besser werden!“

„Ja, das hoffe ich auch, danke für alles, machts gut, Leute“

Mit diesen Worten verabschiedete sich Jack. Seine kleine Kiste von Habseligkeiten aus dem Büro unterm Arm, begab er sich zu seinem Auto und fuhr los.

In einer anderen Firma, beinahe am anderen Ende der Stadt, gab es dagegen Arbeit genug. „Wolfgang, ich muss nun wirklich los, sonst verpasse ich den Bus! Wenn du mich nicht selber nach Hause fahren willst, musst du den Rest wohl alleine fertig kriegen.“ „Ach geh nur, Maria, ist ja fast geschafft, die letzten Fehler kann ich auch alleine ausmerzen. Du hast auch wirklich genug Überstunden gemacht dieses Jahr. Frohe Weihnachten, wir sehen uns in zwei Wochen!“ „Danke, dir auch!“, antwortete Maria, eilig zur Tür hastend. Dank einer kleinen Sprinteinlage erreichte sie noch die nächste Straßenbahn, doch kurz vor der Haltestelle, wo sie Umsteigen musste, wurde sie langsamer. „Wir entschuldigen uns für die Verspätung, aber aufgrund technischer Probleme kommen wir im Moment nicht schneller voran.“ Maria sah nach dieser Durchsage nervös auf die Uhr. Noch könnte sie es schaffen. Als sie schließlich an der Haltestelle ankamen, war es genau zehn Minuten nach fünf. Der Bus fuhr um zehn Minuten nach fünf. Maria sprintete also Richtung Haltestelle, doch sie sah gerade noch, wie er abfuhr. Kurz traf sich Marias blick mit dem des Busfahrers im Seitenspiegel, doch er hielt nicht. Etwas außer Atem traf Maria also an der Haltestelle ein. „Na super, das war der letzte Bus. Das hab ich nun von meiner ‚ökologisch sinnvollen‘ Entscheidung, mich auf den Nahverkehr zu verlassen,“ dachte sie, als sie ihr Handy hervorkramte. Als sie es ausgeschaltet vorfand, war ihr schon klar das der Akku leer sein musste, doch sie versuchte es dennoch, nur um ihren Verdacht bestätigt zu finden. Bis sie wieder am Büro war, würde Wolfgang wohl auch schon los sein. „Ach, ich hab in den letzten Tagen ohnehin zu wenig Bewegung bekommen,“ dachte Maria also und begann zügig zu gehen. Es war zwar eine Fußmarsch von etwa zwei Stunden, aber sie hatte bequeme Schuhe an und fühlte sich wohl. Als es nach einer halben Stunde zu schneien begann, kamen ihr erste Zweifel an ihrem Plan. Weitere 15 Minuten später war der Weg nass und ihre Füße begannen kalt zu werden. „Scheiß drauf, ich werde einfach versuchen zu trampen, was soll schon passieren.“ Maria streckte ihre Hand mit erhobenem Daumen aus. Nach dem schon fünf Autos vorbei gefahren waren, wurde endlich eines langsamer.

Jack wusste selber wohl nicht genau, warum er anhielt, als er die Gestalt am Straßenrand wahrnahm. Teils fühlte er sich mit dieser armen Frau, die sich durch den immer dichter fallenden Schnee kämpfte, in seinem Unglück verbunden, teils fühlte er sich auch einfach einsam und wollte sein Leid teilen. Jahre später, wenn er an diese Nacht zurück dachte, nannte er es einfach Schicksal. „Hey, wie bist du denn hier im Schnee gestrandet?“, fragte er.

„Ach ist ne blöde Geschichte, hab meinen Bus verpasst, und dann fing es an zu schneien und so…“

„Tja, shit happens. Wo musste denn hin?“

Marias Haus lag fast auf Jacks Route, der kleine Umweg würde nicht viel aus machen. Sie stieg also ein und Jack fuhr los. „Oh, die Kiste im Fußraum kannste nach hinten stellen, falls sie dich stört. Ich bin übrigens Jack.“

„Maria. Danke schon mal fürs mitnehmen.“

„Ach, ist doch kein Problem, es liegt ja quasi auf dem Weg. Und, schon in Weihnachtsstimmung?“

„Hm, nicht wirklich, hab die letzten Tage so viel gearbeitet, damit wir unser Projekt vor der Weihnachtspause fertig bekommen, ich hatte kaum Zeit, mich auf Weihnachten zu freuen. Was ist mit dir?“

„Na ja, ich wurde grad gefeuert, das hat mir etwas die Stimmung versaut. Aber ich bin eh kein großer Weihnachtstyp.“

„Oh, das tut mir Leid!“

Nach diesem Dialog herrschte eine Weile lang betretendes Schweigen in Jacks Auto. Das Schneien wurde derweil immer stärker und es war mittlerweile dunkel geworden.

„Ich bringe dich besser bis vor die Haustür, sonst brichst du dir noch was,“ meinte Jack.

„Oh, dass ist sehr nett. Du musst da vorne abbiegen,“ antwortete Maria erleichtert.

Kurze Zeit später erreichten sie die Doppelhaushälfte, in der Maria wohnte. Sie stand etwas abseits von den restlichen Häusern der Siedlung und war vollständig unbeleuchtet. Maria sagte „hier“, Jack hielt an. „Tja, da wären wir,“ sagte er ein wenig verlegen. „Ja, vielen Dank, du hast mir echt das Leben gerettet,“ antwortete Maria und stieg aus. „Ach, kaum der Rede Wert. Frohe Weihnachten!“, erwiderte Jack. „Danke, dir auch, machs gut!“, sagte Maria, schlug die Tür zu und ging zum Haus, ohne sich noch einmal umzusehen. Jack sah ihr noch nach, als sie die Tür aufschloss, und bevor sie eintrat, drehte sie sich noch ein Mal um, lächelte und winkte Jack zu. Dieser fuhr gedankenverloren nach Hause, parkte seinen Wagen und ging hinein. Lustlos schob Jack eine Tiefkühlpizza in den Ofen und schaltete den Fernseher ein. Er schaute eine Weile dem medialen Müll zu, holte dann seine Pizza und aß. Eine Stunde später hielt er die zwanghafte Fröhlichkeit im Fernsehen nicht mehr aus und beschloss, noch einen Spaziergang im frischen Schnee zu machen. Danach wollte er eine Flasche Wein trinken und früh ins Bett, um sich mal so richtig auszuschlafen.

Jack trat aus dem Haus und bemerkte, dass es aufgehört hatte, zu schneien. Er ging eine Weile, während sich langsam die letzten Wolken verzogen und den Blick auf die Sterne freigaben. Draußen war es still, die Menschen waren drinnen, hin und wieder hörte man leicht schiefe Gesänge aus den Häusern. Jack resignierte ein wenig und blickte in den Himmel. Mittlerweile konnte man schier unendlich viele Sterne erblicken. Eine Sternschnuppe verglühte und plötzlich wurde Jack klar, dass er sein Leben ändern musste. Er musste sein Schicksal endlich wieder selbst in die Hand nehmen. Den kürzesten Weg nach Hause nehmend, fasste er einen Plan. Kaum im Haus, griff sich die Weinflasche, dann seine Autoschlüssel. „Mir reichts mit dem allein sein, ich werde endlich mal etwas riskieren. Ich hab viel zu lange viel zu wenig riskiert,“ dachte er während er zum Auto ging. Jack hatte immer schon einen recht guten Orientierungssinn gehabt, und so fand er leicht zurück zu Marias Haus. Er parkte sein Auto und stieg aus. Als Jack auf Marias Haustür zu ging, kamen ihm erste Zweifel, doch er beschloss, dieses eine Mal stark zu bleiben. Er betätigte die Klingel.(*)

Nachdem Maria dank der Hilfe des netten jungen Mannes sicher und sogar warm zu Hause angekommen war, fiel sie zunächst erschöpft aufs Sofa. Die letzten Wochen waren wirklich anstrengend gewesen, sie hatte kaum an etwas anderes als Arbeit denken können. Nun, da die ganze Anspannung langsam von ihr abfiel, begann Maria erst klar zu werden, dass sie eigentlich nichts zu tun hatte. Sie hatte es im Stress nicht einmal geschafft, einen Weihnachtsbaum zu besorgen, nur einen Adventskranz, Anfang Dezember hatte sie noch nicht so viele Überstunden machen müssen. Maria freute sich also nun auf einen ganz entspannten Abend, sie kochte sich Spagetti mit einer leckeren, frischen Soße (zu mehr hatte sie nach dem anstrengenden Tag keine Lust mehr) und aß gemütlich, danach sah sie ein wenig fern. Nach einer Weile hatte sie Langeweile und begann, sich ein wenig einsam zu fühlen. Ihre Wohnung kam ihr so leer vor. Ihre Nachbarn, die die andere Hälfte des Hauses bewohnten, waren Rentner, die wie in jedem Winter in den Süden gereist waren, um der Kälte zu entgehen. Maria überlegte, ob sie ihre Schwester anrufen sollte, die zusammen mit ihrer eigenen Familie und ihrer Mutter feierte, doch sie wollte nicht stören und fühlte sich auch nicht danach, übers Telefon an ihre eigenen Einsamkeit erinnert zu werden. Ihre Schwester hatte sie auch eingeladen, doch über die ganze Arbeit hatte sie die Reise nicht planen können, und da sie kein Auto besaß, kam ein Spontantrip auch nicht in Frage. Bei dem Gedanken an ein Auto musste sie wieder an den Mann denken, der sie nach Hause gefahren hatte. Wie war noch mal sein Name gewesen? Irgend etwas mit J… *Ding Dong*

Die Türklingel unterbrach ihre Gedanken. Maria wunderte sich, wer an Weihnachten um diese Zeit wohl klingeln mochte, vielleicht Spendensammler, dachte sie, als sie zur Tür ging.

Jack fühlte sich seltsam ruhig, als Maria öffnete, als ob er schon wüsste, das alles gut werden würde. „Nanu, was machst du denn hier? Ich hab gerade an dich gedacht…“, sagte sie überrascht, als sie ihn erkannte. „Hm, es ist schwer zu erklären. Ich hatte so ein Gefühl, das man Weihnachten nicht alleine verbringen sollte. Ich weiß, es ist etwas verrückt, aber könnten wir nicht zusammen feiern?“

Maria staunte. Irgendwie beeindruckte diese Spontanität sie, und sie musste durchaus zugeben, dass sie sich seltsam zu diesem Mann hingezogen fühlte. Außerdem hatte sie keine Lust, den ganzen Abend alleine herumzusitzen.

„Es ist wirklich ziemlich verrückt, aber komm ruhig rein. Wie war noch mal dein Name?“, fragte sie.

„Jack. Vielen Dank, ich habe Wein dabei, falls du Lust hast.“

„Ja, das klingt nach einem guten Abend“

Jack trat ein und legte seine Jacke ab. Maria führte ihn in das Wohnzimmer. „Setz dich doch, ich hole uns Gläser“ „Danke, schöne Wohnung übrigens!“

Nur wenig später waren Jack und Maria schon angeregt ins Gespräch vertieft und stellten fest, dass sie viel gemeinsam hatten, zum Beispiel ihre Liebe zu dem Pink Floyd-Album „THE WALL“. Der Wein leerte sich, die beiden kamen sich näher, und schließlich schlief Maria auf der Couch ein.

Maria erwachte aus ihren tiefen, alkoholgefördertem Schlaf, als sie etwas im Gesicht berührte. Sie wollte gerade etwas sagen, als das Klebeband ihren Mund auch schon völlig bedeckte. Kurz darauf wurde ihr klar, dass auch ihre Hände mit Klebeband gefesselt waren. Ihre Fußgelenke waren mit einem Gürtel verbunden. Jack stand über ihr und grinste sie an. „Guten Morgen, Schatz“, sagte er und fasste ihr an die Brust. Kurz darauf konnte er sich nicht mehr halten und vergewaltigte sie. Als er bemerkte, dass sie weinte, kam er heftig. Daraufhin setzte er sich auf einen Stuhl gegenüber von der Couch und beobachtete Maria lange. Sie sah so schön aus, so verzweifelt, so hilflos. Jack konnte sie drei Stunden lang einfach nur ansehen. Danach fesselte er sie mit einem Kabel an den Heizkörper und ging in die Küche. Draußen war es mittlerweile hell, es musste schon um die Mittagszeit sein. Maria wurde klar, dass sie eine ganze Weile geschlafen haben musste, bevor sie geknebelt wurde. Jack hatte einen guten Teil der Nacht damit verbracht, ihr beim Schlafen zuzusehen. Maria wurde nach einigem gezerre klar, dass eine Flucht unmöglich war, und sie verzweifelte vollends und brach zusammen. Jack machte sich derweil in der Küche Frühstück und trug es ins Wohnzimmer, wo er Marias Fesseln kontrollierte, bevor er aß. Er schaute ein wenig fern und redete zu Maria, erzählte aus seinem Leben und seiner Kindheit. Schließlich vergewaltigte er sie erneut, brutal und lange. Danach aß er zu Abend (das Frühstück konnte schon eher als „Brunch“ durchgehen) und wartete, dass es vollends dunkel wurde, was im Winter ja recht früh geschah. Jack holte daraufhin ein Nudelholz aus der Küche und schlug Maria, die mittlerweile vollends aphatisch war, bewusstlos. Er nahm ihren erschlafften Körper, bettete diesen zart auf die Couch und befreite ihre Füße.

Maria hatte vor einiger Zeit eine Flasche Vodka geschenkt bekommen, die sie seitdem im Schrank stehen hatte, da sie dieses Getränk nicht sehr schätzte. Jack verschüttete diesen Kartoffelschnaps nun über ihr und der Couch, danach ließ er die Flasche von Marias erschlaffte Hand aus auf den Teppich fallen. Er zündete den Adventskranz auf dem Couchtisch an und sorgte dafür, dass einige der Tannenzweige Feuer fingen. Als der Kranz sicher brannte, betrachtete Jack sein Werk noch einmal abschließend und wendete sich dann in zügigen Schritten zur Tür.

Als er ins Auto stieg, bemerkte er, dass über den Tag der meiste Schnee geschmolzen war, nur noch vereinzelt waren Hügel am Straßenrand zu sehen. Während Jack langsam durch die Siedlung Richtung Stadt fuhr, griff das Feuer in Marias Wohnung auf den Couchtisch über. Es erreichte dann rasch den Teppich und die Vodkalache. Als Maria begann zu brennen, erwachte sie noch noch einmal. Sie fühlte sich sehr schwach und hustete von Rauch, als sie einige Schritte von der Couch wegstolperte. Doch mittlerweile stand der gesamte Teppich in Flammen und Maria brach vom Rauch vergiftet abermals bewusstlos zusammen. Als die Feuerwehr alarmiert wurde, stand bereits das gesamte Haus in Brand, doch die Nachbarn bemerkten erst etwas, als der Feuerschein schon durch ihre Fenster fiel. Die Feuerwehr konnte nicht viel mehr tun, als ein Übergreifen des Feuers zu verhindern. Jack erreichte derweil über einen Großen Bogen um die Stadt von der anderenen Seite sein Haus und genoss noch ein paar entspannte Tage. Er las in der Zeitung, die erst nach Weihnachten wieder erschien, von einem Feuer in der Nacht vom ersten zum zweiten Weihnachtsfeiertag. Die Ursache war noch ungeklärt, inoffiziell ging die Polizei jedoch schon davon aus, dass Maria nach einigem Alkoholgenuss auf der Couch eingeschlafen war (was ja nicht ganz unwahr war) und daraufhin der Adventskranz Feuer gefangen hatte. Diese Vermutung wurde nach einigen Ermittlungen als die wahrscheinlichste Möglichkeit so übernommen.

Einige Tage später ging Jack auf eine Silvesterparty mit seinen Freunden. Er traf dort eine Frau, die Maria erstaunlich ähnlich sah. Die beiden verliebten sich ineinander, wurden ein Paar und heirateten schließlich. Sie bekamen zwei Kinder. Fünf Jahre später war die Ehe quasi tot, doch um der Kinder willen blieben die beiden dennoch zusammen, auch wenn sie sich häufig stritten, wenn sie dachten, die Kinder würden es nicht hören. Aber Kinder haben sehr gute Ohren. Als die Kinder schließlich aus dem Haus waren, hatten sie sich so aneinander gewöhnt, dass sie rein aus Gewohnheit zusammen blieben, bis Jack schließlich starb und seine Frau einsam im Altenheim lebte, bis auch sie einige Jahre später starb. Jack war bis an sein Lebensende dankbar für das Weihnachtswunder, dass er erlebt hatte.

(*)an dieser Stelle war einstmals eine Unterbrechung, da der Artikel wegen meiner Faulheit aufgrund von Rücksichtnahme auf meine Mitposter in zwei Abschnitten veröffentlicht wurde. Hier der originale Wortlaut:

Wie auch der ehrenwerte Gründer unseres Blogs halte ich nun ein, da ich nicht weiß, wann ich wieder an einen Rechner gelange, um diese reizende Geschichte zu beenden, selbstverständlich nur, damit TheDedem besser dasteht. Dies jedoch halte ich für einen schönen Moment, um innezuhalten und sich selbst einmal Gedanken zu machen, wie es nun weitergehen könnte zwischen Jack und Maria. Selbstverständlich wird meine Genialität selbst eure wildesten Spekulationen in ihre Schranken verweisen, doch aussichtsloses Streben hat noch keinem geschadet.

Ohne weiteren Kommentar und ohne ausführliches Review veröffentlicht.

Die Weihnachtstrilogie: Erster Teil

Dir, weihnachtlich gesinnter Pöbel des Internets!

An diesen feierlichen Tagen lässt es sich natürlich auch der EULENZOMBIE nicht nehmen, ein wenig Besinnung, Liebe und Freude zu stiften unter seinen zahlreichen Lesern. Den Anfang macht nun eine Variation der wohl wohlbekannten Geschichte mit dem Titel „A Christmas Carol“ vom werten Herrn Dickens.

Zum besonderen Genuss dieser weihnachtlichen Geschichte wird der Konsum von weihnachtlich, besinnlich passender Musik empfohlen.

Eine Weihnachtsgeschichte … mit Eulenzombies!

Ebenezer Scrooge saß bei kargem Essen und wenig fröhlicher Musik in seiner Küche als er plötzlich eines Geräusches gewahr wurde. Es klang ein wenig wie ein Schmatzen und Stöhnen und als Ebenezer auf seinen kleinen Flur trat, um der Ursache auf den Grund zu gehen, erblickte er dort ein bizarres Geschöpf, welches sich im Garderobenspiegel selbst betrachtete. Das Wesen bemerkte Ebenezers Anwesenheit zunächst nicht und so konnte er es eingehend und voll Widerwillen betrachten. Obwohl die Erscheinung einen menschlichen Körper hatte, so hatte sie dennoch den Kopf einer Eule. Dieser Eulenkopf sah auf den ersten Blick sehr gepflegt aus, konnte jedoch nicht über das ein oder andere Verfallsmerkmal, wie die leeren, weißen Augen, hinwegtäuschen. Weiterhin war das Wesen in einen sauberen und anscheinend maßgeschneiderten Anzug gekleidet, an dem es immer wieder herumnestelte und dabei seine Tätigkeit genau im Spiegel verfolgte, verhalten grunzend oder stöhnend.
Schließlich räusperte sich Ebenezer und sprach dem Wesen einen schönen Abend aus. Nachdem dieses sich vergewissert hatte, dass der Anzug richtig sitze, wandte es sich dem Sprecher zu und sprach wohlklingend und beherrscht: „Guten Abend, Herr Scrooge. Ihr Aussehen ist der gegebenen Situation wohl mehr als unangemessen.“ Ebenezer erkannte in der Stimme seinen kürzlich verstorbenen Vorgesetzten Herr Marley, welcher fortfuhr: „Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Sie sich diese Nacht besser Kleiden sollten, denn Sie werden Besuch von drei äußerst respektablen Herren erhalten.“

— bis dahin … und nicht weiter bin ich leider nur gekommen. Der Rest wird Morgen oder so nachgereicht (ich wollte zumindest etwas veröffentlichen), weil *irgendeineausredevonwegenweihnachtsstressetcppblabla*

Erster Akt: Jacob Marley

Jacob Marley ist tot. Herr Marley war der Vorgesetzte von Ebenezer Scrooge, ein stets wohlgekleideter und geschmackvoller Mann, voller Charme und Esprit; Und einem ausgezeichneten Sinn fürs Geschäftliche. Herr Marley hatte stets das Bestmögliche von seinen Untergebenen gefordert, hatte immer ein paar freundliche Worte auf den Lippen gehabt und bei fehlender Produktivität auch keine Scheu gezeigt die nötigen Konsequenzen geltend zu machen.

Doch Ebenezer Scrooge war mit Herr Marley niemals ganz warm geworden, hatte sich niemals wirklich mit ihm verstanden. Er maßte es sich sogar an, das gesamte Gehabe von Herr Marley als oberflächlich abzutun und ihm nicht den nötigen Respekt für dessen teure Uhr, dessen teuren Anzug und dessen teures Auto, für das er, Ebenezer, auch hart gearbeitet hatte, entgegenzubringen. Herr Marley hatte sich aber an dieser Einstellung von Ebenezer Scrooge lange nicht gestört, denn dessen Produktivität war ausgezeichnet gewesen. Irgendwann hatte das Team ein wenig verändert werden müssen, ein paar dynamischere, spritzigere Charaktere waren benötigt worden. Von da an sank die Produktivität des Ebenezer Scrooge, denn Herr Marley musste feststellen, dass dieser nicht so recht dem herrschenden Teamgeist gerecht werden konnte.

Die ganze Sache hätte sehr bedauerlich für Ebenezer ausgehen können, doch als Herr Marley anfing ernsthaft über mögliche Konsequenzen für Ebenezer nachzudenken, da wurde er vom Schlag, oder besser: Sein teurer Sportwagen wurde in voller Fahrt von einem Baum getroffen und dies bedeutete das Ende für den stets wohlgekleideten und geschmackvollen Herr Marley.

Es sollte noch erwähnt sein, dass sich das Ende des Herr Marley kurz vor Weihnachten zugetragen hatte, einem Fest, das ganz und gar die Abneigung von Ebenezer Scrooge teilte. Dieser hielt das Weihnachtsfest für den bestmöglichen Ausdruck der heutigen Gesellschaft, in all ihrer Verlogenheit, Falschheit und Heuchelei, dabei verpackt in bunt blinkenden Lichterketten, verborgen hinter einer Maske aufgesetzter Fröhlichkeit. Kurz gesagt: Ein moderner Maskenball, bei dem jeder, der es wagt einen Teil seines wahren Gesichtes durchblicken zu lassen hinaus in die dunkle, kalte Nacht des Winters gejagt wird. Ja, er konnte Weihnachten wirklich nicht ausstehen.

Am Abend des 23. Dezember nun saß Ebenezer Scrooge bei kargem Essen und überhaupt nicht weihnachtlicher Musik in seiner kleinen Küche, als er plötzlich des Geräusches seines Telefons gewahr wurde. Langsam stand er auf und Schritt mit wenig Lust ins kleine Wohnzimmer, wo das schrillende Ding noch auf dem Tisch lag.

„Scrooge hier, hallo?“

„Guten Tag, hier ist das Hilfswerk für Arme. Wir helfen Kindern und Kranken in Not und Sie können das auch. Mit nur einer kleinen Spende können Sie unserem Verein und Armen in Not helfen“, drang eine unbeholfene Computerstimme an Ebenezers Ohr. Wie er diese Ansagen hasste.

„Wenn Sie uns eine Spende von mindestens fünfzig Euro zukommen lassen, dann können Sie außerdem an einem Gewinnspiel mit vielen Attraktiven Preisen teilnehmen. Drücken Sie die eins, um eine Summe von mehr als fünfzig Euro zu spenden und an unserem Gewinnspiel teilzunehmen. Drücken Sie die zwei, um einen Betrag von weniger als fünfzig Euro zu spenden und nicht an unserem attraktiven Gewinnspiel mit tollen Preisen teilzunehmen.“

Ebenezer dachte nicht daran, diesem dubiosen Verein etwas zu spenden und auch das Gewinnspiel reizte ihn in keinster Weise. Wenn man etwas spenden wollte, dann sollte man es der Spende wegen und nicht wegen der Aussicht auf einen Preis machen, dachte er halblaut, als er auflegte und den Hörer mit in die Küche nahm, um weiter zu Abend zu essen. Kaum hatte er sich gesetzt, da klingelte das Telefon erneut.

„Scrooge hier, hallo?“

„Guten Tag, hier ist das Hilfswerk für Arme. Wir helfen Kindern und Kranken in Not und Sie können das auch“, drang die selbe gefühllose Computerstimme an sein Ohr. Ebenezer legte verärgert wieder auf. Konnte man kurz vor Weihnachten nicht einmal in Ruhe Essen, ohne, dass man von Spendenhotlines drangsaliert wurde? Das Telefon klingelte erneut; Man konnte offensichtlich nicht.

Um nicht vielleicht doch ein wichtiges Telefonat zu verpassen, nahm Ebenezer wiederum ab, wurde sich im selben Moment der Absurdität seines Gedankenganges bewusst und legte auf, ohne zu Hören, wer ihn diesmal tatsächlich angerufen hatte. Kurz saß er daraufhin vor seinem Essen, stand dann auf, ging in den Flur und zog das Telefonkabel aus der Dose. Zufrieden kehrte er nun zu seinem kargen Mahl zurück, sichtlich entzückt über die Vorstellung, dass ihn nun niemand mehr stören würde.

Ebenezers Handy klingelte. Auf Ruhe bedacht nahm er einen Bissen von dem Wurstbrot, das nun schon ungewöhnlich lange seiner Verspeisung harrte, kaute, schluckte, nahm einen zweiten Bissen; Griff dann in seine Hosentasche, zückte sein Handy und las die SMS, die gerade gekommen war.

„Morgen ab zehn umtrunk mit den kollegen in kmbar“

„Sicher nicht“, sprach Ebenezer zu sich selbst und schaltete sein Handy aus. Die Ruhe, die er noch vor wenig mehr als einer Minute verspürt hatte, weil er das Telefon zum verstummen gebracht hatte, war verflogen. An ihre Stelle trat eine gewisse Rastlosigkeit, ohne dass diese ein bestimmtes Ziel gehabt hätte. Sie hindert ihn einfach nur daran nun in Ruhe zu essen und drängte ihn etwas sinnvolles zu tun. Zu sinnvollen Taten hatten ihn schon seine Eltern immer angehalten. Er solle doch nicht so viel Zeit vertrödeln, er solle lieber lernen und arbeiten.

In vollster Konzentration besann Ebenezer sich wieder zu seiner Ruhe zurückzufinden, ohne Hast sein Abendessen zu Ende zu bringen. Nachdem er zwei Minuten reglos dagesessen hatte nahm er endlich das Brot wieder zur Hand und befand sich bereit einen weiteren Bissen zu nehmen.

Ein Geräusch aus dem Flur ließ ihn aufhorchen und sein Mahl wieder unterbrechen. Es klang ein wenig wie ein Schmatzen und Stöhnen und als Ebenezer auf seinen kleinen Flur trat, um der Ursache auf den Grund zu gehen, erblickte er dort ein bizarres Geschöpf, welches sich im Garderobenspiegel selbst betrachtete. Das Wesen bemerkte Ebenezers Anwesenheit zunächst nicht und so konnte er es eingehend und voll Widerwillen betrachten. Obwohl die Erscheinung einen menschlichen Körper hatte, so hatte sie dennoch den Kopf einer Eule. Dieser Eulenkopf sah auf den ersten Blick sehr gepflegt aus, konnte jedoch nicht über das ein oder andere Verfallsmerkmal, wie die leeren, gläsern-weißen Augen, hinwegtäuschen. Weiterhin war das Wesen in einen sauberen und anscheinend maßgeschneiderten Anzug gekleidet, an dem es immer wieder herumnestelte und dabei seine Tätigkeit genau im Spiegel verfolgte, verhalten grunzend und stöhnend.

Schließlich räusperte sich Ebenezer und sprach dem Wesen einen schönen Abend aus. Nachdem dieses sich vergewissert hatte, dass der Anzug richtig sitze, wandte es sich dem Sprecher zu und sprach wohlklingend und beherrscht: „Guten Abend, Herr Scrooge. Ihr Aussehen ist der gegebenen Situation wohl mehr als unangemessen.“ Ebenezer erkannte in der Stimme seinen kürzlich verstorbenen Vorgesetzten Herr Marley, welcher fortfuhr: „Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Sie sich diese Nacht besser Kleiden sollten, denn Sie werden Besuch von drei äußerst respektablen Herren erhalten.“

Verdutzt entgegnete Ebenezer „Aber ich erwarte für heute Abend keinen Besuch mehr“, und eigentlich war ihm auch jedweder Besuch völlig zuwider; Erst Recht, wenn er von seinem ehemaligen Vorgesetzten angekündigt wurde.

„Sträuben Sie sich nicht, Herr Scrooge. Dies sind wichtige Termine, die Sie zum Wohl Ihrer eigenen Zukunft wahrnehmen sollten. Ein Versäumen kann nicht geduldet werden. Es ist an der Zeit, dass Sie anfangen, die Dinge mit dem nötigen Ernst zu betrachten und Ihre Fähigkeiten nicht weiter verschwenden! Ich bitte nun um Entschuldigung, aber ich habe weitere Termine, guten Abend.“

Nach dieser Ansprache drehte sich der Herr Marley mit dem Eulenkopf geschwind um, ergriff die Klinke der Wohnungstür und entschwand in das dunkle Treppenhaus, die Tür hinter sich mit einem Knall ins Schloss fallen lassend.

Zweiter Akt: Der Eulenzombie der vergangenen Weihnacht

Ebenezer wusste das ganze Geschehen nicht so recht einzuordnen und stand für kurze Zeit einfach nur so in seinem kleinen Flur. Schließlich entschloss er sich, diesem ganzen Auftritt keine große Bedeutung beizumessen, drehte sich um und ging wieder in die Küche.

Dort fand er zu seinem Schrecken ein weiteres Wesen mit menschlicher Statur in einem Anzug und einem Eulenkopf vor, das ihn nach seinem Eintreten kurz musterte und dann sprach.

„Guten Abend, Herr Scrooge. Wie ich sehe, halten Sie es wohl nicht für nötig im Umgang mit wichtigen Personen, die doch eigentlich nur Ihr Bestes wollen, eine angemessenere Kleidung anzulegen. Diese Nachlässigkeit werde ich mir merken. Sollten weitere solche Nachlässigkeiten zu Tage treten, kann ich Ihnen versprechen, dass dies alles sehr unvorteilhaft für Sie ausfallen wird. Nun ziehen Sie sich bitte wenigstens einen Mantel über und folgen Sie mir, wir haben keine Zeit zu verlieren.“

Damit drängte sich das Geschöpf an Ebenezer vorbei durch die Tür, durchschritt den kleinen Flur und öffnete die Tür zum Treppenhaus. Ebenezer registrierte dies alles wort- und beinahe regungslos und reagierte auch nicht auf die Gestik des Wesens, die ihm bedeutete zu folgen. Er hatte heute wirklich keine Lust vor die Tür zu gehen und den ganzen Weihnachtsrummel zu sehen. Ja, er hatte sich sogar auf ein paare ruhige Tage ohne Störung gefreut, weit abseits von der weihnachtlichen Konsumsucht und falschen Heiterkeit, wie er selbst es nannte.

„Nun kommen Sie endlich, Herr Scrooge. Denken Sie daran, weitere Fehltritte können Sie sich nicht erlauben.“

Ebenezer wusste nicht was es war, aber irgendwas in der Stimme dieses seltsam abartigen Geschöpfes bewog ihn dazu, seinen Mantel und seine Schuhe zu greifen und zu folgen.

Ebenezer und das Geschöpf traten auf die Straße und Ebenezer stellte fest, dass es immer noch ungewöhnlich warm war. Ein leichter Nieselregen fiel und tauchte alles in eine glänzende Nässe, in der sich die mannigfaltig bunte Beleuchtung der Häuser spiegelte. Für einen kurzen Moment musste Ebenezer bei der festlichen Beleuchtung an Bilder von Las Vegas denken, aber der Gedanke blieb schnell zurück als er sah, dass das Eulengeschöpf schon ein gutes Stück die Straße hinunter gegangen war.

Ebenezer beeilte sich zu folgen. Das Wesen sprach nun kein Wort mehr und so schritten die beiden schweigend die Straße entlang, während aus den Häusern und vorbeifahrenden Autos immer die gleiche Musik schallte. Mit der Zeit aber nahm die Musik ab und Ebenezer stellte fest, dass sich auch sonst die Straße auf wundersame Weise wandelte. Die aufdringlich bunte und grelle Beleuchtung wich allmählich einer einfarbigen, weißen und die Nässe wurde zunächst zu einer funkelnden Eisschicht, die schließlich zu einer reinen weißen Schneedecke anwuchs.

Das Eulengeschöpf hielt vor einem eingeschneiten Haus mit nur einer einzigen Lichterkette, die von der Dachrinne herab hing. Bis zur Haustür führte ein akkurat freigeschaufelter Weg durch den Vorgarten, über den das Wesen Ebenezer nun führte. Weiterhin sprach es kein Wort, aber das war auch nicht nötig, wusste Ebenezer doch genau, wo sie sich befanden. Diese Haustür war die seiner Kindertage.

Noch ehe er sich weiter umgeschaut hatte oder gar durch die Tür getreten war, wusste er, was ihn im Inneren erwarten würde. Das Geschöpf öffnete ohne einen Schlüssel oder dergleichen zu gebrauchen die Tür und beide traten ein.

Im Haus roch es verführerisch nach Plätzchen. Nachdem das Eulenwesen seinen schweren Mantel an die Garderobe gehängt hatte, führte es Ebenezer in das Wohnzimmer, in dem ein prächtig geschmückter Tannenbaum in einer Ecke thronte. Unter dem Tannenbaum befanden sich unzählige Geschenke, die in den Raum hineinzuquellen schienen. Neben dem Baum stand ein großer Fernseher und diesem gegenüber stand eine dunkle Ledercouchgarnitur. Auf dieser nun saß der kleine Ebenezer mit erwartungsvollem Gesicht neben seinen Eltern.

Ebenezers Vater fragte „Na Eb, gefällts dir? Bist du schon gespannt?“, und der kleine Ebenezer antwortete gedankenverloren und glücklich „Jaaa!“ Dabei drehte das Geschöpf, dass mit dem Rücken zu Ebenezer gestanden hatte auf unheimliche Weise seinen Kopf so, dass die leeren, weißen Augen direkt in die Ebenezers sahen.

Dieser erinnerte sich genau, wie er sich damals als kleiner Ebenezer gefühlt hatte, die Vorfreude, das Glück, die Spannung. Der Vater sprach wieder „Na, dann wollen wir dich mal nicht länger auf die Folter spannen, du kannst anfangen die Geschenke auszupacken.“

Der kleine Ebenezer stürzte von der Couchgarnitur auf den Geschenkestapel zu, wühlte darin herum und zog schließlich ein besonders großes Paket heraus, welches er sofort hastig zu öffnen begann. Ebenezer wusste noch genau, was sich in diesem Paket befunden hatte.

Als Kind hatte Ebenezer ein hölzernes Schwert besessenen, gefertigt von seinem Großvater, mit dem er innig und ausgiebig als Ritter in Aufrechte Kämpfe gegen Drachen und andere Unholde gezogen war. Viele Male hatte ihn diese treue Klinge zum Sieg geführt und immer hatte er sich auf ihre hölzerne Schneide verlassen können. Dann aber war ein harter Winter angebrochen und im Gefecht gegen einen bösen Magier, der das Land auf ewig mit klirrender Kälte hatte überziehen wollen, war das Schwert zerbrochen. Dieser Verlust, diese Niederlage hatte Ebenezer sehr mitgenommen und seine Eltern hatten die traurige Rückkehr aus der Schlacht mit beobachten müssen. Erfolglos hatte er noch versucht seinen treuen Schlachtbegleiter wieder zu reparieren, doch schließlich hatte er aufgeben müssen.

In dem großen Paket befanden sich zwei graue Plastikschwerter. Der kleine Ebenezer beäugte sie kritisch, sein Blick war mehr fragend denn freudig. Ebenezer wusste noch genau, dass er sich über dieses Geschenk nicht gefreut hatte, es war ihm herzlos erschienen. Es war ihm als billiger Ersatz vorgekommen, als seelenlose Massenanfertigung, als Abfertigung.

„Warum gleich zwei?“

„Dann kannst du eines direkt wegschmeißen, wenn es kaputt geht.“

Der Eulenkopf sprach: „Warum haben Sie sich nicht über dieses Geschenk gefreut. Sehen Sie sich nur Ihre Eltern an.“

Ebenezer sah seine Eltern an, die tatsächlich etwas geknickt wirkten. Dem kleinen Ebenezer war dies freilich nicht aufgefallen.

„Das Geschenk ist mir falsch erschienen und jede Freude wäre eine vorgetäuschte Freude gewesen, eine Lüge. Hätte ich meine Eltern belügen sollen?“

„Hättest Sie sie glücklich machen sollen?“, entgegnete das Eulengeschöpf.

Bevor Ebenezer etwas entgegnen konnte verschwammen die Konturen um ihn und das Eulenwesen und die Umgebung veränderte sich. Der Raum blieb der selbe, aber die Einrichtung wechselte, wurde moderner, die Tapeten wechselten, wurden moderner, der Baum wechselte, wurde moderner und schließlich standen das Eulenwesen und Ebenezer zusammen mit seinen Eltern und seiner selbst von ungefähr zwanzig Jahren im Wohnzimmer.

Die Mutter war gekleidet in ein rotes Kleid, der Vater in Hemd und Stoffhose, der fast noch jugendliche Ebenezer in Jeans und ein weites T-Shirt. Aufgebracht rief letzterer: „Warum sollte ich ein neues Auto wollen? Mein Auto ist super! Habt ihr Sorgen, was die Nachbarn denken?“

„Aber Ebenezer … wir wollten doch nur, dass du ein neues, sicheres Auto bekommst und nicht mehr mit dieser Schrottmühle fährst …“

„Das ist ein großartiges Auto. Ich will kein neues Auto. Ich brauche kein neues Auto! Ich will überhaupt keine Dinge!“

Ebenezer erkannte, dass diese Worte nicht seine eigenen waren, dass sie die Worte eines anderen waren. Aber in dieser Situation hatte er sie sich angeeignet, waren voll seinem Sinn ergeben gewesen.

Der aufgebrachte Ebenezer verließ den Raum und schickte sich an, die Wohnung zu verlassen. Die Eltern blieben mit einem irritierten Blick zurück, der sich aber schließlich mit einem „Warum ist der Junge nur so undankbar? Ich hätte mir das niemals erlauben können. Ach, lass uns was essen gehen“ vom Vater in eine fröhlich-steife Miene umwandelte.

„Sehen Sie, was Sie durch Ihr Verhalten angerichtet haben? Hätte es geschadet, wenn Sie das neue Auto angenommen hätten, wenn Sie sich für Ihre Eltern darüber gefreut hätten?“, fragte das Eulenwesen, während es seinen Mantel von der Garderobe griff und sie dem jungen Ebenezer aus dem Haus folgten.

„Ich kann mich nur wiederholen“, entgegnete Ebenezer. „Es wäre nicht wahr gewesen, wäre eine Lüge gewesen.“

Der junge Ebenezer kam schließlich an einem etwas heruntergekommenen Mehrfamilienhaus an und drückte auf die Klingel. Als sich die Sprechanlage aktivierte, drang aus dem Lautsprecher wildes Gejohle und Geschrei, kurz darauf wurde auch die Türöffnung betätigt. Er betrat, gefolgt von seinen unbemerkten Begleitern, das dunkle Treppenhaus und stieg empor, bis er schließlich an eine Wohnungstür kam, aus der laute Musik und sonstige Geräusche einer Party in vollem Gange kamen.

Ebenezer erinnerte sich an diese Party. Sie war wild langanhaltend und exzessiv gewesen, aber das hatte er sich später mitteilen lassen. Er hatte dort seinen Freunden von der Ablehnung des Autos erzählt und dies hatte vor allem unverständliche und irritierte Blicke hervorgerufen. Seine Freunde hatten ihn nicht verstanden. Er war auch nicht so sehr in Feierlaune gewesen und irgendwann hatte ihn der ewige Smalltalk, das ewige Tratschen und Lästern, das ewige Preisen der neuesten Trends, die ewig gleichen Saufaktionen gelangweilt und er war gegangen.

Während er sich dies alles wieder in wach gerufen hatte, war der junge Ebenezer schon eingetreten und das Eulenwesen und er standen allein im Halbdunkel des Treppenhauses.

„Ja, ich sehe, Sie erinnern sich dieser Party. Wäre ein bisschen Mitfeiern auch eine Lüge gewesen?“

Ebenezer antwortete trocken: „Ja.“

„Dachte ich mir. Kommen Sie, Zeit zu gehen“, und mit diesem Satz öffnete das Eulenwesen die Tür und beide traten ein. Doch zu Ebenezers Verwunderung befanden sie sich wieder in seinem kleinen Flur, wo ihm vorhin der Eulenmarley begegnet war.

„Von mir haben Sie genug gesehen, aber das ist noch nicht das Ende. Denken Sie daran.“ Das seltsame Geschöpf verschwand und ließ Ebenezer allein zurück.

Dritter Akt: Der Eulenzombie der gegenwärtigen Weihnacht

Ebenezer ging zurück in seine Küche, in der noch sein Abendessen auf ihn wartete. Er setzte sich und nahm wieder einen Bissen von seinem Brot, gedanklich mit dem Versuch beschäftigt seine Erlebnisse gerade irgendwie zu verarbeiten. Während er kaute, blickte er auf die Stulle in seiner Hand und fragte sich, ob vielleicht die Wurst verdorben war, oder ob vielleicht irgendein Halluzinogen darin enthalten war; Womöglich hineingeraten als Nebenprodukt von einem Antibiotika für Tiere. Er wusste, dass es nicht gerade tierfreundlich war, aber der anschließende Gedanke an Schweine auf einem LSD-Trip ließ ihn doch schmunzeln … und sich fragen, was wohl überhaupt passieren würde. Würden die Schweine denken, sie könnten fliegen? Würden sie fliegen?

Abrupt wurden die fliegenden Schweine in den Gedanken Ebenezers auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, als ein weiteres Eulenwesen an die Küchentür klopfte und eintrat.

„Die Pause ist vorbei, Herr Scrooge. Zeit, dass Sie weiter machen. Ihren Mantel tragen Sie zum Glück ja noch.“

Ebenezer wollte protestieren, aber das Wesen, welches ein anderes war als zuvor, aber ebenso in einen feinen Anzug gekleidet, schnitt ihm das Wort ab.

„Keine Widerrede. Wir haben einen eng gesteckten Zeitplan und wie mein Kollege Ihnen mitteilte, können Sie sich weitere Fehltritte nicht leisten. Leeren Sie Ihren Mund und folgen Sie.“

Als Ebenezer weiterhin keine Anstalten machte, sich zu erheben, sprach das Eulengeschöpf erneut, diesmal eindringlicher.

„Herr Scrooge, ich habe Sie vorgewarnt. Ich kann einen Widerstand Ihrerseits keinesfalls dulden!“

Damit spürte Ebenezer, wie der Stuhl unter ihm weg sank, wie er rückwärts fiel, wie er hart mit dem Hinterkopf auf den Boden aufschlug; Schwärze. Er schlug die Augen wieder auf und sprang auf die Beine, bereit sich gegen den offensichtlichen Angriff des Eulenwesens zu wehren. Doch zu seiner Verwunderung stand dieses ganz gelassen in einiger Entfernung bei einem Schreibtisch.

Sie befanden sich in einem Büro. Ebenezer erkannte das Büro, als das seines Kollegen Pete, der gerade dabei war, ein paar Akten durchzuschauen. Er ging zu seinem eulenköpfigen Begleiter hinüber und fragte, was sie machen würden. Das Geschöpf antwortete: „Kennen Sie Nelly?“

„Nelly? Von der Arbeit?“

„Genau die. Sie wissen, dass sie mal ein Auge auf Sie geworfen hatte? Das sie Sie immer noch faszinierend und interessant findet? Das sie Sie eigentlich gerne näher kennenlernen würde?“

„Bisher war mir das nicht bewusst, nein. Ich bin zwar immer mit ihr sehr gut ausgekommen, aber so hab ich das nicht wahrgenommen.“

„Weil sie es Ihnen nicht gezeigt hat. Wissen Sie warum? Wegen Ihrer Eigenart, Ihres Eigensinns, Ihrer Ablehnung gegenüber der Gesellschaft, Ihren Werten. Wissen Sie, was Nelly deshalb macht?“

In diesem Moment trat Nelly in Petes Büro, zwei Weingläser und eine passende Flasche dazu in Händen. Sie begrüßte Pete mit „Na, wer ist denn zu so später Stunde noch am arbeiten?“ Dabei trug sie eine freundlich-neckende Miene zur Schau. Ebenezer betrachtete das Schauspiel und meinte schließlich: „Offensichtlich macht sie sich an Pete ran. Sie scheint mir damit glücklich zu sein.“

„Wirklich? Ist sie tatsächlich glücklich? Trägt sie keine Maske, die Enttäuschung über Sie erfolgreich zu überspielen?“

Bevor Ebenezer etwas erwidern konnte, verändert sich die Umgebung und nun befanden sie sich in einem Restaurant, in der Nähe der Eltern Ebenezers, die gerade bei Tisch saßen und sich unterhielten. Das Restaurant sah sehr edel aus und die Speisen auf den Tellern der Eltern waren reichhaltig. Der Anblick erinnerte Ebenezer wieder an das Wurstbrot, dass er noch immer in den Händen hielt und er biss ab.

„Ich habe Sie nicht hergeführt, damit Sie sich wieder Ihres Wurstbrotes entsinnen, sondern, damit Sie Ihren geliebten Eltern zuhören können“, wandte sich das Eulenwesen mit einer gewissen Verachtung in der Stimme Ebenezer zu. Besonders das Wort „Wurstbrot“ spie es förmlich aus. Ebenezer gehorchte kauend.

„Ah, der überbackene Lachs ist hier einfach herrlich, eine wahre Gaumenfreude.“

„Ja, Charles, die Küche ist wie eh und je hier ganz vorzüglich. Und hast du gesehen, die Smiths sind auch heut Abend hier. Dort drüben am Tisch.“

„Wir haben sie schon lange nicht mehr eingeladen, das sollten wir beizeiten nachholen. Übrigens, Tom erzählte mir, wie er seine Autoschlüssel verlegt hatte und sie den halben Tag suchte, bis die Haushälterin sie schließlich in der Wäsche fand. Hahaha“

„Haha, wirklich eine tolle Geschichte. Morgen soll es schneien. Wäre das nicht mal wieder hinreißend? Weiße Weihnacht!“

„Dazu müsste der Schnee freilich auch liegenbleiben. Bei den warmen Temperaturen, wird das sicher nichts.“

„Nun sei nicht so ein Miesepeter, du klingst ja fast wie unser Sohn.“

Betretenes Schweigen trat zwischen Ebenezers Eltern. Schließlich hob seine Mutter wieder das Wort.

„Ob er wohl auch gerade so opulent speist wie wir?“

„Wohl kaum.“

„Ach, es wäre zu schön mal wieder mit ihm essen zu gehen. Wenn er nur ein bisschen gescheiter wäre.“

„Hier könnten wir uns mit ihm sicher nicht blicken lassen. Denk nur, die Smiths hätten uns mit ihm gesehen! Sie wären sicher keiner weiteren Einladung von uns gefolgt.“

„Ja, und wie sich das rumgesprochen hätte. Nicht auszudenken!“

„Ach, wenn er nur normal wäre!“

Während er dem Gespräch lauschte, wusste Ebenezer nicht ob er empört, fassungslos oder gleichgültig reagieren sollte. Im Grunde hatte er gewusst, wie seine Eltern über ihn dachten und dass er nicht in ihr Weltbild aus guten Restaurants, teuren Autos und erquicklicher Konversation hinein passte. Doch dies so deutlich aus ihren Mündern zu vernehmen, ließ ihn doch nicht unberührt.

„Was denken Sie darüber?“, fragte das Eulenwesen.

Ebenezer schwieg kurz, fasste sich dann aber.

„Ich wusste schon vorher, wie meine Eltern über mich denken. Ich finde es bedauerlich, aber ihre Welt ist nicht die meine. Jede andere Behauptung wäre eine Lüge.“

„Wie Sie meinen.“

Die Umgebung verschwamm wieder. Ebenezer lag rücklings mit einem Stuhl in seiner Küche auf dem Boden. Sein Kopf schmerzte, wie nach einem harten Stoß. Er blickte sich um, konnte aber niemanden sehen.

„Das ging ja erfreulich schnell“, sprach er laut zu sich selbst, und fragte sich im selben Augenblick, ob er vielleicht verrückt würde. Schmerzen und Gedanken wirbelten wie wild durch seinen Kopf, als er sich langsam aufrichtete, noch immer mit dem Wurstbrot in der Hand. War das alles gerade wirklich geschehen? Mühsam setzte sich Ebenezer wieder an den Tisch, biss vom Brot ab; Und dachte nach.

Vierter Akt: Der Eulenzombie der zukünftigen Weihnacht

„Träumen Sie, Herr Scrooge?“

Ebenezer kehrte aus tiefer Gedankenverlorenheit zurück, wandte seinen Blick von der Wurst auf seinem Brot ab, auf die er gestarrt hatte und blickte auf. Ein dritter Eulenkopf blickte ihn aus gläsernen Augen, die in schön frisierten Federn saßen an.

„Sie wissen sicherlich, was Ihnen nun blüht. Folgen Sie bereitwillig, oder muss auch ich zu härteren Methoden greifen?“

„Sie werden mir die zukünftige Weihnacht zeigen?“

„Exakt.“

„Ich fühl mich ja fast, wie bei ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Werde ich meinen Tod sehen, wie in der Geschichte von Dickens?“

„Nicht den Ihren, Herr Scrooge, nicht den Ihren. Nun folgen Sie bitte.“

Ebenezer folge aus der Küche, doch traf schon nicht mehr auf seinen Flur, sondern trat in ein bescheidenes, aber gemütliches Wohnzimmer, mit einigen Bildern an den Wänden, einem niedrigen Couchtisch und zwei Sofas; Ohne jeglichen Weihnachtsschmuck. Über einem der Sofas brannte eine Leselampe, ansonsten war der Raum indirekt durch eine Deckenlampe beleuchtet. Unter der Leselampe auf einem der Sofas saßen zwei ältere Menschen. Als Ebenezers Blick auf sie fiel, erläuterte das Eulenwesen:

„Sie und ihre Frau Liz.“

Ebenezer beobachtete die beiden. Sein ältere Version las ihr offensichtlich aus einem sehr abgegriffenen Buch vor. Er hörte hin, um zu erkennen, dass es sich um Hesses Steppenwolf handelte. Das Eulenwesen wandte sich ihm wieder zu:

„Ermüdent nicht wahr? Lassen Sie uns den Blick auf spannendere Ereignisse lenken. Folgen Sie mir.“

Ebenezer schaute ein letztes Mal auf das glückliche Pärchen. Eigentlich stimmte ihn dieser Anblick sehr glücklich. Dann folgte er dem Geschöpf. Durch die Tür des Wohnzimmers traten sie in ein sehr unordentliches Zimmer, in dem unter vielen Büchern und Zetteln ein Schreibtisch, ein Bett und ein Schrank sichtbar waren. Gegenüber der Tür befand sich ein Fenster, durch das man die von unten von einem Weihnachtsmarkt beleuchteten Fassaden von Mehrparteienhäusern einer Stadt sehen konnte.

Im Zimmer befand sich neben Ebenezer und seinem Begleiter eine weitere Person von möglicherweise zwanzig Jahren, die nervös auf und ab schritt, ein Headset im Ohr steckend. Die Züge der Person glichen der Ebenezers und auf einen fragenden Blick bestätigte ihm das Eulenwesen: „Ihr Sohn Harry.“

Ebenezers Sohn telefonierte aufgeregt: „Was willst du damit sagen? Du kannst das nicht mehr?

Was?

Aber …

Bitte tu das nicht. Ich dachte immer, wir beide …

Ich dachte immer du wärst anders, wir wären anders, als alle anderen …

Aber wofür brauchen wir diese Heuchler?

Ja, aber …

Gut, wenn du es so willst, ich werde dir nicht im Wege stehen. Ich werde nicht versuchen dich umzustimmen. Ich weiß, dass du anders bist, besser als die. Aber wenn du sie brauchst …

Ja, ne, ist schon ok. Dein Leben ist nicht das meinige.

Natürlich ist das Scheiße, aber mach dir keinen Kopf. Ich hab dann ja sowieso niemanden mehr. Ich werd mich einfach gleich aus dem Fenster schmeißen.

Bitte, keine Tränen meinetwegen. Ich hoffe nur, du irrst dich nicht, du wirst so glücklicher.

Ich liebe dich trotzdem.“

Damit nahm Harry das Headset von seinem Ohr und schmiss es in eine Ecke.

„Warum ist diese Gesellschaft einfach so beschissen?“

Nachdem er kurz so aussah, als überlege er, ging Harry zum Fenster, öffnete es, stieg auf die Fensterbank und sprach zu sich selbst „Hoffentlich werden es meine Eltern verkraften, sonst ist ja niemand geblieben“, und sprang.

Ebenezer schrie und stürzte zum Fenster. Die Wohnung befand sich im fünften Stock. Unten konnte er Harry auf dem Dach eines Autos liegen sehen, das dort parkte, beleuchtet von den bunt-fröhlichen Lichtern eines nebendran stattfindenden Weihnachtsmarktes, der die Szenerie mit weihnachtlich-heiterer Musik unterlegte.

„Hier haben Sie Ihre Wahrheit, Herr Scrooge!“, rief höhnisch das Eulenwesen.

Ebenezer drängte an diesem vorbei aus der Wohnung, ohne auf den Ruf zu achten und stürmte das Treppenhaus hinunter.

Fünfter Akt: Jacob Marley

Im Parterre des Hauses angekommen, stürmte Ebenezer aus der Haustür. Zu seinem Leidwesen musste er feststellen, dass er das Haus auf der falschen Seite verlassen hatte und nun einmal um den Bock laufen musste, um zur anderen Seite zu gelangen. Er lief die schön geschmückte Straße hinunter, auf der ihm eine Gruppe Personen entgegenkam, die komplett maskiert war. Maskiert mit Masken von freundlich lächelnden Weihnachtsmann-, Engels- oder Wichtelsgesichtern.

Ebenezer stürmte an ihnen vorbei und bog um die nächste Ecke. Dort wurde er von einer wahren Lichterflut beinahe geblendet. Der Weihnachtsmarkt erwartete ihn. Ebenezer rannte hinein, hinein in ein wunderbar duftendes Märchenland, mit nimmermüder Weihnachtsmusik, sogar einer robotisierten Ausgabe von Wham, die sich hölzern zum nimmermüden „Last Christmas“ bewegten. Hinein in ein unüberschaubares Gedränge von Menschen, alten und jungen, alle maskiert mit freundlich lächelnden Gesichtern von Weihnachtsmännern, Engeln und Wichteln. Hinein in ein undurchdringliches Labyrinth aus Fressständen, Karussells, Glühweinbuden und Verkäufern von wunderbarem Weihnachtskitsch.

Mühsam versuchte er die Orientierung zu behalten, während er mit brennender Lunge sich durch diesen Kindertraum drängte. Schließlich hielt er inne, an einem Stand, an dem ein neuer Sportwagen stand, in dem mehrere Puppen saßen. Ein übereifriger Mann stand davor und lud die maskierten Leute ein, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Die Puppen drehten Ebenezer ihre glänzenden Plastikköpfe zu und begannen ihren ausdruckslosen Mund langsam in ein Grinsen umzuformen, das schließlich von einem Ohrläppchen zum anderen reichte und sich blutrot färbte. Entsetzt wandte sich Ebenezer ab, um weiter zu laufen.

„Wissen Sie überhaupt, wo Sie hin wollen, Herr Scrooge?“ Es war die Stimme von Jacob Marley. Ebenezer drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und erblickte den Eulenmarley, der das erste Eulengeschöpf gewesen war, das ihn besucht hatte. In seinen Händen hielt es zwei Becher mit Glühwein.

„Trinken Sie mit mir. Dies ist ein großartiger Abend.“

„Fick dich!“

„Ich verbitte mir einen solchen Sprachgebrauch von Ihnen, Herr Scrooge. Warum so aufgebracht? Was wollen Sie beim armen Harry? Sie können ihm jetzt sowieso nicht mehr helfen! Sie sind ein Geist hier. Ein böser Geist.“

„Ihr seid die bösen Geister! Ihr verdammten Dinger, ihr verdammten … Eulen … EULENZOMBIES!“

„Ach ja? Sind wir das? Denken Sie nach, Herr Scrooge. Ich weiß, das können sie besonders gut. Wer ist denn durch sein abweisendes und kaltes Verhalten Schuld am Leid all der anderen?“

„Nicht ich! Ich habe niemandem dazu gezwungen, mich abzulehnen, habe niemanden gezwungen, meinetwegen Leid auf sich zu nehmen. Ich habe immer versucht wahr und ehrlich zu handeln! Sie tragen alle selbst die Schuld in sich, sind alle selbst für ihr eigenes Leben verantwortlich! Eure verdammte, falsche Gesellschaft ist Schuld, eure Heuchelei und eure Oberflächlichkeit. Euer Konsumfaschismus!“

„Harte Worte, harte Worte, Herr Scrooge. Und wer hat Ihren Sohn erzogen. Oder besser: Manipuliert? Wer hat ihn in den Abgrund gestürzt? Waren das nicht Ihre Ideen, Ihre Grundsätze, die ihn entfremdet haben, die ihn isoliert haben?“

„Ich weiß nicht genau was vorgefallen ist, oder besser, was vorfallen wird. Aber, ich bin mir sicher: Es war eure Gesellschaft, die ihn zurückgestoßen hat, eure Gesellschaft, die ihn isoliert hat, eure Gesellschaft, die …“

„Genug von ihrer Ignoranz! Sie haben die Schuld, Sie ganz allein! Sie hätten dafür sorgen müssen, dass Ihr Sohn ein eigenständiges Glied in der Gesellschaft wird, ein funktionierender Teil der Gesellschaft! Wissen Sie warum? Nicht alle sind so klug wie Sie. Nicht alle sind in der Lage, die Dinge so zu durchschauen, wie Sie.

Ihre Eltern, sie hatten niemals eine Chance Sie zu verstehen, haben niemals eine Chance gehabt aus ihrer Welt hinaus zu blicken. Und statt ihnen den Gefallen zu machen, sich einmal ein wenig anzupassen, haben Sie sich quer gestellt, haben Sie sie vor deren sozialen Umfeld bloßgestellt, haben Sie sie dazu gebracht, sich für Sie zu schämen. Ihre Eltern hatten keine andere Wahl, sie konnten nicht anders handeln, haben die Dinge nicht so sehr durchschaut.

Ihre Freunde ebenfalls. Sie waren für Ihre Freunde irgendwann nicht mehr tragbar und sie mussten sich entscheiden: Sie oder die reale Welt. Machen Sie ihnen deswegen einen Vorwurf? Machen Sie sich besser selbst einen Vorwurf, dass Sie Ihren Freunden nicht ein wenige entgegengekommen sind, sich nicht ein wenige angepasst haben.

Mit Nelly verhält es sich gleich. Die Ehe mit Pete ist schlimm geendet, Sie hätten dies verhindern können, hätten Nelly einen Grund geben können, nicht vor Ihnen zurückzuschrecken. Sie hätten sich ein wenig anpassen müssen.

Ihr Sohn, zu guter Letzt. Sie hätten ihn anpassen müssen, an diese Gesellschaft, hätten ebenfalls mit ihm zum Weihnachtsmarkt gehen müssen, hätten ebenfalls hier diese freundlichen Masken tragen müssen. Er konnte seine Situation besser verstehen, als all die anderen, aber sein Leid hat das nicht gelindert; Eher im Gegenteil! Er erkannte, dass er sich in einer Sackgasse befand, aus der er niemals heraus kommen könnte. Sie haben ihn dort hinein manövriert.

Sehen Sie? Sie allein tragen alle Schuld. Die Gesellschaft trägt niemals die Schuld.“

Der Eulenmarley hatte sich derart in Rage geredet, dass Speichel aus seinem dunklen Schnabel tropfte. Seine kalten, gläsernen Augen fixierten Ebenezer unbarmherzig. Ebenezer konnte nichts entgegnen, seine Gedanken wirbelten und während er seine Schuld immer weiter annahm, fühlte er, wie der Boden unter seinen Füßen wegkippte und das lustig-bunte Treiben des Weihnachtsmarktes in undurchdringlicher Schwärze verschwand.

Ebenezer wachte in seiner Küche auf dem Boden liegend auf und schaute sich verwirrt um. Ihm war kalt und Sonnenlicht schien durch die Fenster. Er schien die ganze Nacht hier auf dem Boden verbracht zu haben. Ein Blick auf die Uhr ließ ihn einen erleichterten Seufzer ausstoßen; Es war noch Zeit, die Geschäfte hatten noch geöffnet.

Hastig machte er sich frisch, um dann in die Innenstadt zu eilen. Genauer: Zu einer Herrenboutique. Dort kaufte er sich einen Anzug. Im Anschluss legte er sich auch ein Paar feinster Lederschuhe und eine neue Uhr zu. Zufrieden kehrte er in seine kleine Wohnung zurück und legte eine Weihnachts-CD ein, um sich ein wenig in Stimmung zu bringen.

Am Abend dann machte er sich, bekleidet mit den neuen Erwerbungen, auf den Weg zur KM-Bar, um seine Kollegen zu treffen. Kurz bevor er die Bar erreichte, traf er in der Fußgängerzone auf eine Gruppe zottelig aussehender Jugendlicher, die zusammen musizierten. Sie spielen allerdings keine Weihnachtsmusik, sondern sangen aus voller Kehle „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Ebenezer hielt bei ihnen kurz inne, schüttelte dann den Kopf und setzte seinen Weg fort.

In der KM-Bar kam er schließlich zu seinen Kollegen, auch Nelly war dabei, und begrüßte sie überschwänglich mit „Frohe Weihnachten, meine Freunde!“

Er konnte sie alle nicht ausstehen.

Neue Facebook Gruppe gegründet: Kinderschändung für Kinderschänder

Internet – Auf Facebook wurde heute eine neue Gruppe gegründet, die fordert, zukünftige Kinderschänder schon als Kind präventiv zu bestrafen. Binnen weniger Stunden fand diese Gruppe tausende Unterstützer, unter anderem respektable Politiker wie Holger Apfel, Udo Pastörs, Karl Richter, Frank Schwerdt, aber auch internationale Größen wie Barack  Obama und dessen Gegner John McCaine. EULENZOMBIE sprach mit dem Gründer der Gruppe, der aufgrund von Befürchtungen von Anschlägen aus dem „Kommunistisch-Liberalistisch-Linksextremistischen Milieu“ anonym bleiben will. Hier das Exklusivinterview:

Eulenzombie: Hallo, Anonym.
Anonym: Hallo, Eulenzombie. Ich möchte mich zunächst für dieses Interview und eure stets seriöse und nicht dem Linksdruck unterliegende Berichterstattung bedanken.
E.: Danke, das ist aber nicht nötig. Wir wissen, wie unsere zahlreichen Leser über dieses Qualitätsblatt denken. Aber erzähl uns doch bitte von dem Konzept von „Kinderschändung für Kinderschänder“. Was genau fordert ihr eigentlich?
A.: Nun ja, mir, und ich darf annehmen, auch den anderen Mitläufern, Verzeihung, Mitgliedern meiner Gruppe ist aufgefallen, dass all diese Forderungen, die man oft auf Facebook liest, im Freundeskreis oder in den Medien hört und sieht, nicht tief genug greifen. Zwar scheinen Folter und Todesstrafe angemessen zu sein für solche Untermenschen wie Kinderschänder und auch gegen die Nutzung als Crash-Test-Dummies spricht auf den ersten Blick nichts, doch auf den zweiten Blick merkt man doch, das hier das Problem nicht an der Wurzel gepackt wird. Unser Ansatz ist also eher präventiv angelegt.
E.: Also diejenigen, die eindeutig als Kinderschänder verdächtigt werden, gleich an die Wand stellen, um so ihre Taten zu verhindern?
A.: Nein, wir denken, auch das ginge nicht weit genug. Schließlich ist Mord wohl kaum so schlimm wie Kinderschändung. Die Strafe wäre also nicht gerecht. Daher unsere Forderung, die Kinderschänder sollten schon als Kinder vergewaltigt werden, um ihnen zu zeigen, was sie ihren Opfern antun.
E.: Wie aber erkennt man den Kinderschänder schon als Kind?
A.: Nun, solche Abscheulichkeiten liegen natürlich im Blut. So können wir zum Beispiel Frauen bereits ausschließen. Eine Abstammung vom Kinderschänder ist natürlich ein eindeutiger Beweis. Aber wir werden auch einen Blick auf die Abstammung werfen, schließlich sind nicht alle Kulturen im Umgang mit Verbrechern so fortgeschritten wie wir. Zudem befürworten wir Folter als legitime Methode, um in unklaren Fällen Kinderschänder zu erkennen und damit unschuldige Kinder vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Bedenken sie einfach: Es könnte morgen ihr Kind treffen! Diese ganze Wischiwaschi-Justiz von heute, wo der Kinderschänder am Ende noch frei gesprochen oder gar für unzurechnungsfähig erklärt wird, kann solche Taten einfach nicht effektiv verhindern.
E.: Wo genau liegt nun aber der Vorteil ihrer Methode gegenüber simplen und effektiven Methoden wie Erhängen, Köpfen, elektrischem Stuhl oder der Giftspritze?
A.: Nun, der Vorteil ist offensichtlich: Jemand, der bereits als Kind eine solch lehrreiche Erfahrung gemacht hat, wird sicherlich nicht zum Kinderschänder werden. Wir treiben diesen Wesen also ihre Perversion aus und formen sie zu nützlichen Volksdeutschen um, so dass die Sicherheit aller Kinder garantiert ist. So gehen uns keine potenziellen Arbeitskräfte verloren.
E.: Wer sollte denn ihrer Meinung nach diese Präventivbestrafung durchführen? Und würde der nicht selbst zum Kinderschänder?
A.: Über diese Fragen haben wir uns natürlich auch schon Gedanken gemacht. Ich möchte zunächst die zweite beantworten: Nein. Es handelt sich hier schließlich um eine legitime Maßnahme zur Verhinderung weiteren Leids. Oder würden sie z.B. einen Soldaten als Mörder bezeichnen, wie es so oft in Kommunistisch-Liberalistisch-Humanistisch-Freimaurerisch-Zionistischen Hippie-Kreisen geschieht?
E.: Nein, natürlich nicht. Bei uns herrscht noch Zucht und Ordnung in der Redaktion.
A.: Selbstverständlich, das war auch eine rhetorische Frage, sonst würde ich ja gar nicht mit ihnen sprechen. Aber nun zu der ersten Frage, wer diese Bestrafung durchführen soll: Wir. Es gibt natürlich niemanden, der geeigneter wäre, als die Initiatoren dieser Idee, um sie durchzuführen. Der Dienst am Vaterland macht stehts Freude, auch wenn es sich um eine derart unangenehme Tätigkeit handelt, unser liebes Deutschland ist uns Motivation genug. Darum würden wir uns selbstlos zur Verfügung stellen.
E.: Das erscheint sinnvoll. Nun, dann scheinen wohl alle Fragen geklärt. Wir als objektive Berichterstatter müssen uns natürlich erst einmal eine Meinung bilden, bevor wir alle Fakten genau gegeneinander abwägen können, aber ich darf wohl so viel verraten: Mich persönlich haben sie überzeugt und jeder der dagegen ist, muss wohl selber Kinderschänder sein. Vielen Dank für dieses Interview.
A.: Ich danke ihnen.

 

DISCLAIMER: Facebook, rechtes Gedankengut und Politiker sind Eigentümer ihres rechtmäßigen Eigentums. Und andersherum, oder so. Der Rechtschreibfehler in „stets“ (siehe steht’s) ist Absicht, alle anderen nicht.

Und jetzt: Das Wetter.

Dir, Pöbel des Internets!

¹

Aufgrund meiner Empfindung dem aktuellen Wetter gegenüber, welches mir als ungewöhnlich warm vorkommt, habe ich begonnen in meiner Rolle als Zombie der allmächtigen Eule nachzudenken; Und bin dabei auf erstaunliche Erkenntnisse gestoßen.

Wir sehen uns am Beginn einer Entwicklung, die nichts anderes zur Folge haben kann als die Gleichschaltung aller Jahreszeiten!

Genauer bedeutet dies: Der Winter wird wärmer, der Sommer kälter, der Frühling herbstlicher und der Herbst frühlingshafter. Im einzelnen werden sich die Temperaturen wohl zwischen fünf und fünfzehn Grad Celsius dauerhaft einpendeln und der Himmel wird immerzu bedeckt sein von einer dünnen Schicht grauer Wolken aus denen unablässig ein kaum bemerkbarer Nieselregen fällt.

Vielleicht werden also künftige Generationen nicht mehr in den Genuss von ganzen vier vollwertigen Jahreszeiten kommen, sondern nur noch eine einzige erleben, deren Name vorzugsweise eine Permutation der Namen der bestehenden Jahreszeit ist. Vorstellbar wären zum Beispiel Früsohewi, Sofrüh-Winther, Ingerster oder auch Frmmbstntr.

Unter diesem Blickwinkel betrachtet können wohl auch das Scheitern des Klimagipfels und der vor einigen Jahren allseits proklamierte, inzwischen aber wieder vergessene, Klimawandel nur Rädchen in der Maschinerie der allmächtigen Eule sein, die dies alles nur mit einem Kalender und einem Edding vorbereitet hat.

Doch zu welchem Zweck? Lange habe ich als Eulenzombie darüber nachgesonnen, und manch ein Lösungsansatz ist mir in klimatisch wirren Visionen erschienen. Der erste Ansatz, den ich zu verfolgen begann, war die Zufriedenheit insbesondere des deutschen Volkes, das sich über jegliche Extrema extrem echauffiert und dem eine solche Gleichschaltung sicherlich sehr zusagen würde, würden dann doch diese Extrema zunächst sehr verringert und schließlich, so der Plan der allmächtigen Eule gelingt und daran darf wohl kein Zweifel bestehen, komplett verschwinden. Zurück bliebe also insbesondere dem deutschen Volk kein Grund mehr sich zu beklagen, außer der extremen Gleichförmigkeit des Wetters. Da Gleichförmigkeit und Gleichschaltung aber historisch gut verträglich sind mit insbesondere dem deutsche Volk, bildet diese wohl eine Ausnahme zur Regelmäßigkeit über extremes echauffieren über Extrema.

Dem, wer da nun schon Heureka ruft, sei gesagt, dass die allmächtige Eule nur reinstes Gold besitzt, dennoch vom Tragen einer Krone absieht, da eine solche beim Fliegen mehr hinderlich denn dienlich ist. Des Pudels Kern ist also noch nicht enthüllt, es steckt mehr hinter diesem perfiden Spiel mit den Jahreszeiten, als nur die Zufriedenheit.

In Wahrheit steckt hinter allem die Untragbarkeit der Varianz im aktuellen System mit vier voll ausgeprägten Jahreszeiten. Die vorhandene Varianz verlangt vom Volk immer wieder die Anpassung an neue Bedingungen, die das Wetter an es stellt. Dadurch wird es (insbesondere das deutsche) immer wieder einer emotionalen Verwirrung bzw. einem Unmut unterworfen. Um nun den ursprüngliche Zustand der gemütlichen Gleichgültigkeit wieder herzustellen bedarf es einer rationalen Überwindung dieser emotionalen Unzulänglichkeiten: Das Volk ist gezwungen um seines eigenen emotionalen Wohles Willen zu denken! Dies ist natürlich für die allmächtige Eule inakzeptabel.

Die Gleichschaltung der Jahreszeiten bringt die benötigte Lösung: Die Gedanken der Menschen werden hinfort gespült vom immerwährenden Nieselregen aus ewig träge hängenden grauen Wolken bei gewohnten fünf bis fünfzehn Grad Celsius, hinab in die Abwasserkanäle, um zur bedenkenlosen Wiederverwendung von Fachkräften sorgfältig von allen gefährlichen Einflüssen befreit und wieder in den Kreislauf eingespeist zu werden. Falls man dann nach dem Genuss von frischem Wasser einen wiederkehrenden Gedanken hat, so ist dieser nun leicht bekömmlich ohne das man beim Verzehr auf die eigene Linie achten müsste.

Natürlich sehen wir uns als Eulenzombies verpflichtet diesen Vorgängen weiter nachzugehen.

Bis dahin:
Prost und tue, wie die Eule befiehlt!

¹ Diese Fußnote sollte erst zum Schluss gelesen werden, obwohl sie einige Worte enthält, die dem Text vorangestellt werden müssen.
Die in diesem Text enthaltenen Informationen können faktisch als Fakten gesehen werden, sind sie doch durch rein subjektive Eindrücke und Gedanken des Autors offenbart worden. Des weiteren ist die Themenwahl in voller Absicht geschehen, trat nach der Veröffentlichung des enthüllenden Artikels über THE WALL hier doch eine Art unangenehmes Schweigen ein, da sich wohl niemand im Stande sah eine ähnlich meisterhaft aufklärerische Leistung zu erbringen. In diesem Kontext nimmt sich dieser Artikel dem immerzu tiefgründig und nachhaltig diskutierten Thema des Wetters an, mit dem Ziel, die vorgegebene Gewichtigkeit eines Textes durch THE WALL schon mit der Wahl des diskutierten Subjekts zu erfüllen.

The Wall

The Wall ist ein Konzeptalbum der britischen Rockband Pink Floyd. Das Album wurde am 30. November 1979 in Großbritannien veröffentlicht. The Wall stellte nach den Vorgängeralben Wish You Were Here und Animals eine neue Ausrichtung der Musik der Band dar. Die Verkaufszahl beträgt 30 Millionen Stück. The Wall ist das weltweit meistverkaufte Doppelalbum.

So beschreibt es die deutsche Wikipedia hier. Doch welchen Einfluss dieses monumentale Werk auf die Literatur, Musik, Filmindustrie, Internetkultur, ja auf die Kultur im allgemeinen hatte, soll hier einmal kurz und Beispielhaft aufgezeigt werden. Ich habe daher einen kleinen Auszug der Werke, welche „The Wall“ schon im Titel tragen, zusammengestellt. Zur besseren Übersicht sind the Worte „The“ und „Wall“ in Majuskeln gehalten, der Rest des jeweiligen Titels folgt normaler Orthografie. Es wird auffallen, dass vor allem Werke aus dem englischen Sprachraum aufgeführt werden, das liegt aber daran, das deutsche Werke häufig die Worte „The Wall“ zu „Die Mauer“ bzw. „Der Wall“ übersetzten (Beispiel: „Draußen vor DER MAUER“, Wolfgang Borchert), wodurch die schöne direkte Referenzierung verloren geht. Aber es handelt sich hier, wie gesagt, ja nur um eine kleine Auswahl, der bzw. die geneigte und interessierte Leser bzw. Leserin werden sicherlich zahlreiche Beispiele in allen Sprachen finden oder vielleicht sogar schon kennen.

    • Rage against THE WALL – Zack de la Rocha, Tom Morello, Tim Commerford, Brad Wilk
      Eine Rockband, die sich musikalisch mit dem Kampf gegen die eigenen Mauern beschäftigt und aggressiven Rock gegen selbige stellt. Zugleich der Name ihres Debutalbums.
    • Occupy THE WALLstreet – Adbusters, Anonymous
      Eine Aktion wütender Bürger, in dem gegen die Häuserwand in der Wall Street in New York protestiert wird, die von allen New Yorkern im näheren Umkreis nur einem Prozent Wohnraum bietet, dafür aber 99% die Sicht auf den Rest der Stadt versperrt. Mittlerweile haben sich diese Proteste auch auf andere Städte, wo ähnliche Verhältnisse herrschen, ausgebreitet. Gerade Bankgebäude, die häufig sehr groß und protzig gehalten sind (und entsprechend viel Sicht versperren), werden dabei kritisiert.
    • THE perks of being a WALLflower – Stephen Chbosky
      Ein Roman über den Kampf eines Teenagers mit den typischen Wällen der Pubertät und wie man an eben diesen Mauern Blümchen züchtet. Chbosky beeindruckt in seiner Fähigkeit, aus einem durchaus lesenswerten Teenagerdrama vollständig in ein Gärtnereifachbuch überzugehen, ohne dass man als Leser bzw. Leserin diese Veränderung bemerkt. Erst wenn man das Buch nach dem letzten Kapitel „Vom Gartengenuss“ zuklappt und sich versucht, wieder an den Anfang zu erinnern, wird man diese Tatsache verblüfft und erfreut feststellen. Somit zeigt Chbosky mustergültig, wie man die Mauern zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Themen völlig mühelos überwinden kann.
    • Where’s THE WALLy – Martin Handford 
      Ein Kinderbuch, in dem schon der Nachwuchs nach den Mauern suchen kann, die ihm später im Leben am Fortkommen hindern und kleinhalten werden. So werden die Kleinen auf ihr Leben als nützliche Mitglieder der Gesellschaft, die keine schädlichen Ambitionen zeigen und sich mit ihrer aussichtslosen Lage zufriedengeben, vorbereitet.
    • I left THE WALLet in El Segundo -A Tribe Called Quest
      Dieses Lied erzählt die Geschichte, wie Q-Tip (Ich weiß, dies ist keine Satireseite, aber der Typ nennt sich wirklich so) und seine Freunde auf einem Trip nach El Segundo ihre inneren Mauern zurücklassen. Befreit kehren sie so in die Welt der Städte, deren Namen man auch kennt (z.B. Sandford), zurück.
    • Commentarii THE Bello Wall Gallico et Civii – Gaius Julius Caesar
      Der große römische Diktator Julius Caesar schreibt in seinen Kommentaren zum Gallischen Krieg über den großen Schutzwall, der später gegen die Germanen errichtet werden wird, der Limes. Bis heute rätseln Wissenschaftler, warum der antike Lateiner im Titel englische Wörter benutzte, die so erstmals 950 A.D. (the) bzw. 1827 (Wall) auftauchten. Für jeden Pink Floyd Fan ist natürlich klar, das Caesar wohl eine Vorahnung gehabt haben muss.
    • ForresTHE Gump-WALL – u.a. Winston Groom, Robert Zemeckis
      Die berühmt gewordene Verfilmung Groom’s Buch mit Tom Hanks in der Hauptrolle erzählt die Geschichte des einfältigen Forresthe, der durch das amerikanische Zeitgeschehen und über die darin vorhandenden Mauern stolpert, dabei jedoch nie an Geschwindigkeit und Mut einbüßt, so dass schließlich alles in einem schmalzigen Hollywood-Ende resultiert.
    • THE WALL (Wikipedia Artikel[en]) – div. Autoren, z.T. anonym
      Der Ausführliche und als „gut“ ausgezeichnete Artikel der englischen Wikipedia zum Album „The Wall“ von Pink Floyd informiert einigermaßen umfassend über die Grundzüge des Albums und bietet viele Ansätze und Literaturquellen für den Enthusiasten bzw. die Enthusiastin, der bzw. die mehr über das Thema erfahren will. Es wird unter anderem auf Hintergrund, Geschichte, Produktion eingegangen und Chart-Platzierungen werden aufgelistet.
    • THE George WALL Bush – George W. Bush
      Amerikanischer Politiker, der sich insbesondere durch z.T. unbegründetes und überhastetes Bauen von Mauern unbeliebt machte, bei Republikanern aber dennoch nach wie vor hohes Ansehen genießt. Er war eine Zeit lang Präsident und wurde als inkonsequent beschimpft, da er nach der Zerstörung der Mauern des WTC anstatt neue zu bauen, wie es eigentlich seine Politik war, einfach alte zerstörte. Dabei setzte er überwiegen Panzer, Schlaubomben und Puff-Puff-Plastik ein. Das dabei manche Auas und Wehwehs bei der lokalen Bevölkerung entstanden, nehmen ihm viele Leute heute übel.
    • THE Simpsons‘ WALL – Matt Groening
      Ist eine amerikanische und die weltweit am längsten laufende Zeichentrickserie, hat bereits einen Film und vielseitigstes Franchise vorgebracht und zählt mittlerweile stolze 23 Staffeln. Es werden in meist humoristischer, teils satirischer, aber auch slapstickartiger Weise sowohl die vielseitigen Mauern innerhalb der amerikanischen Gesellschaft an sich als auch die ganz persönlichen der Charaktere gezeigt. Beispiele für den Slapstick-Ansatz sind die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen Homer gegen Mauern läuft, fällt, schwingt oder sonstwie knallt, ein Beispiel für satirische Überspitzung stellt der Simpsons Film, in welchem eine gigantische, nach oben geschlossene Glasmauer (im Fachjargon auch als Kuppel bezeichnet) über die gesamte Stadt gestülpt wird, um die Umweltverschmutzung des Sees vom Rest des Landes fernzuhalten. Eine zuvor um den See gezogene Mauer hatte keinen Erfolg. Innere Mauern umgeben Homers Geist, Lisa grenzt sich oft von gleichaltrigen ab, da ihre überlegende Intelligenz wie eine Mauer zwischen ihnen steht, Bart verbirgt sich aufgrund von Vernachlässigung durch den Vater hinter einer Mauer von Streichen, Maggie umgibt sich mit einer Mauer des Schweigens und Marge ist in den Mauern des Hauses gefangen, hat sie doch nur ihren Haushalt und nichts „Eigenes“. Die Liste von Mauern und Wällen ließe sich schier endlos fortführen, begonnen bei der Teilung Springfields, bei denen statt Pink Floyd (die nach der Öffnung der Berliner Mauer auf eben dieser ihr Album „The Wall“ aufführten, von dem später hier noch die Rede sein wird) The Who bei der Maueröffnung live spielen, bis hin zu der sog. vierten Wand, die teils auch durchbrochen wird.
    • THE WALL (Album) – Pink Floyd, Roger Waters
      Eines der berühmtesten Pink Floyd Alben, es erzählt die Geschichte des Rockstars Pink, der im Laufe seines Lebens eine imaginäre Mauer um sein Innerstes errichtet und sich so von allem und gegenüber allen um ihn herum emotional abschirmt, bis er zum Ende seine Isolation nicht mehr erträgt und die Mauer eingerissen wird. Musikalisch wie textlich brilliant und zeitlos umgesetzt, inspirierte dieses wohl erste „Konzeptalbum“ der Welt eine ganze Reihe nachfolgender und vorrausgehender Werke.
    • THE WALLikipedia – Jimmy Wales, diverse Andere
      Eine Online-Enzyklopädie, bei der jede/r als Autor mitwirken kann. Seit Mai 2001 sind so 1.321.430 Artikel in deutscher Sprache entstanden. Erklärtes Ziel Wikipedias ist die vollständige Erschließung des Themas „The Wall“ und aller verwandten Phänomene, was bereits der Name andeutet. Zum Teil wird ihr aufgrund der Möglichkeit für Jedermann, Artikel zu editieren, ohne die Informationen vorher groß zu verifizieren, Faktenuntreue vorgeworfen. Insbesondere in wissenschaftlichen Arbeiten wie Blogs sollten daher stets die Informationen der Artikel verifiziert werden und dann auch nur die entsprechende Version des Artikels verlinkt werden, so dass durch spätere Änderungen entstandene Ungereimtheiten nicht zu Problemen führen. Damit errichtet Wikipedia oft Mauern der Fehlinformation, obwohl doch eigentlich die Wälle der Unwissenheit überwunden werden sollen.
    • THE WALL of Warcraft – Blizzard Entertainment
      Ist das weltweit bekannteste Internet-Mehrspieler-Rollenspiel. In einer riesigen Spielwelt mit diversen natürlichen Felswänden kämpfen die Spieler gegen Monster, die häufig aufgrund von Isolation hinter ihren inneren Mauern dem Wahnsinn verfallen sind. Aber auch auf Seiten der Mauern stehen die Spieler beizeiten, wenn es zum Beispiel darum geht, das dunkle Portal zu schließen, damit keine Dämonen mehr durch die Mauern zwischen den Welten gelangen können, oder wenn die Mauern von An‘ Qiraj wieder versiegelt werden müssen, um das Böse durch starke Wälle einzudämmen.
    • Harry Potter and THE WALL – Joanne K. Rowling
      Der achte Band der Harry-Potter Romanreihe handelt von den schweren psychologischen Folgen des nie professionell aufgearbeiteten Voldemort-Dramas. Aufgrund der katastrophalen Rückständigkeit der Zauberergesellschaft wurden die Ereignisse, die in Band eins bis sieben beschrieben wurden, nie psychologisch aufgearbeitet. Nachdem er sich überhastet in die Ehe zu Ginny geflüchtet hatte, baute Harry mit der Zeit immer stärker eine innere Mauer auf, um die Verdrängten Traumata, die aus den Toden so vieler Verwandte und Freunden, der eigenen Nahtoterfahrung und der generell untragbaren ständigen Lebensgefahr zwingend folgen mussten, weiter wegzuschließen. Was in der Bahnhofsszene des siebten Bandes nach Happy End aussah, war in Wirklichkeit nur dieser Verdrängung geschuldet. Nach einem lebensgefährlichen Auroreneinsatz mit Todesfolge eines Kollegen brechen nun diese Wälle. Dadurch wird nicht nur Harrys Leben, sondern auch seine Ehe stark belastet. Rowling entspinnt in diesem Roman ein tiefgründiges Familiendrama und zeigt, dass sie auch jenseits des Kinder- und Jugendbuches noch nach neuen Einnahmequellen sucht, da sie selbst nach einer Milliarde den Hals noch nicht voll hat.
    • THE WALL (Eulenzombie-Post) – Bluttrinker
      Ein Blogpost, welcher nach einer kurzen Einleitung die Namen verschiedenartiger Filme, Bücher, Personen, Bands, Internetseiten und Blogposts mit den Worten „THE WALL[sic]“ versieht (Beispiel: „Rage Against THE WALL“ statt „Rage Against the Machine“ oder „THE WALL (Eulenzombie-Post)“. Nach den so verballhornten Namen werden die (tatsächlichen) Verfasser, sofern existent, genannt und zur Wikipedia verlinkt. Es folgt ein kurzer Absatz, der das tatsächliche Thema irgendwie mit Mauern oder Wällen verknüpft, wobei teilweise nur Zusammenhänge aus sachlich richtigen Information gewoben werden, teilweise aber auch alles frei erfunden ist. Dieses einfache, zu Beginn vielleicht noch amüsante Konzept wird dann derart exzessiv weiter ausgeschlachtet, dass anstatt der anfänglichen Wortspiele irgendwann einfach nur noch die Worte „The Wall“ irgendwie und ohne Zusammenhang eingefügt werden, bis der eigentliche Artikel in seiner Schlusspointe, der „Reduktio ad Hitlerum“ endet. Letztere wird aber bereits im Artikel durch einen Artikel über den Artikel vorweggenommen, so das auch hier kein wirklicher Überraschungseffekt, wie er für einen gelungenen Witz meist notwendig ist, eintreten kann. Nach dem Hauptartikel folgt, als „Anmerkungen“ bezeichnet, ein Wust von zusammenhangslosen Metainformationen, welche letztendlich die Grenze zum Geschwafel überschreiten, woraufhin der Text apbrupt abbricht. Der Artikel will also vermutlich in erster Linie verwirren und den Leser mit dem Gefühl des „Was sollte das?“ bzw. „Hä??“ hinterlassen. Auch dieser Effekt wird aber durch die Demaskierung in dieser Selbstreferenz getrübt, da die Frage ja bereits beantwortet wurde. Auch in diesem Artikel finden sich also zahlreiche Mauern auf der Verständnisebene sowie eine übergeordneter sprichwörtliche Wand aus Text. Insgesamt kommen die Wörter „Wall“, „Wand“ und „Mauer“ sowie deren Pluralformen 138 mal in diesem Text vor.
    • THE WALL-E – Pixar Studios, Andrew Stanton
      In diesem Pixar-Animationsfilm wird die Geschichte des Roboters Wall-E erzählt, welcher Mauern aus Müll auf einer Menschenverlassenen Erde baut. Das tiefgängige Drama erzählt in beeindruckenden und oft bedrückenden Bildern, wie der Roboter durch die große Einsamkeit sich nach und nach auch innerlich von Mauern umgibt, wie um sich vor der Leere abzuschirmen. Nach dieser eindringlichen, depressiven Persönlichkeitsstudie im ersten Teil geht der Film mit dem Auftritt von Eve in eine Art Beziehungsdrama über, als der weibliche Roboter, liebestrunken und dementsprechen irrational, vergeblich versucht, Wall-Es Inneres zu erreichen und ihm neuen Lebensmut zu schenken. Durch ihre Gefühle blind, merkt sie dabei nicht, wie sehr ihr Versuch zum Scheitern verurteilt ist und richtet sich so nach und nach selber zu Grunde. Anfangs noch lebensfroh, aufgeweckt und energiegeladen wird Eve mit jedem scheinbaren Zeichen von Besserung, welches sich als Fehldeutung herausstellt, ein Stück weit verzweifelter und aggressiver. Als auch die Agression nicht zu Wall-E durchdringt, verfällt Eve schließlich in Lethargie, bis sie bemerkt, das sie selber schon so wird wie Wall-E. In einer grandios idiotischen Konsequenz aus dieser Erkenntnis entleib sie sich schließlich vor der dystopischen Kulisse einer verlassenen und vermüllten Erde. Wall-Es Mauer jedoch ist schon zu stark, um sich selbst durch dieses extreme Verhalten noch durchbrechen zu lassen, er räumt Eves Überreste weg und türmt sie zu einem weiteren Wall auf, der schließlich den Zuschauern die furchtbare Gewissheit gibt: Es gab schon viele Eves vor ihr, alle ereilte das gleiche Schicksal. Von dem Aufgetürmten Eve-Wall kehrt Wall-E dann an exakt die selbe Stelle wie am Anfang des Filmes zurück und führt seine repetative Arbeit fort, wodurch sich, ähnlich wie auf einigen Pink Floyd Alben, ein Zyklus ergibt. Das Drama bekam überwältigende Kritiken und wird oft schon als „der wohl tiefgängigste Disney-Film aller Zeiten“ bezeichnet. Abgesehen von einer beeindruckenden Studie des Scheiterns an sich wird er als Anspielung und Kritik auf  einen Teil der Schöpfungsgeschichte verstanden: Adam lebt alleine in einem Spiegelverkehrten Garten Eden, als Gott ihm Eva als Gefährtin schickt. Deren Geschichte endet aber tragisch, weil ihr einziger Daseinszweck darin besteht, Adam Gesellschaft zu leisten, der dies aber nicht zulassen kann. Somit wird letzlich Kritik am biblischen wie auch konservativen Frauenbild  sowie an einem Gott geübt, der ohne Rücksicht auf seine Schöpfung seinen Plan durchziehen möchte, indem er immer neue Evas schickt, auch wenn sie sich schon zu Haufen türmen.
    • THE Facebook WALL –Mark Zuckerberg
      Wie wohl kaum eine andere symbolisiert diese Webseite die große Einsamkeit unserer hinter Fassaden verborgenden Gesellschaft. Zynisch bezeichnet Zuckerberg sein Werk der Konzeptkunst als „soziales Netzwerk“. Über 500 Millionen Menschen schlossen sich seinem Projekt bereits an und erstellten eine Benutzerseite, die den Menschen auf ein Photo, seine bzw. ihre Vorlieben für Filme, Musik, Literatur etc., Hobbies und vor allem aber Freunde bzw. Freundinnen reduziert. In Hommage an sein großes Vorbild Pink Floyd nannte Zuckerberg den großen leeren Platz, der von diesen kalten Informationen eingerahmt wird, „Wall“. Die „Freunde“ eines Mitglieds dieses Künstlerkollektivs können nun nichtssagende Nachrichten an diese Wand, diese Fassade schreiben, die Person dahinter wird nie erreicht. Als bedrückendes Monument einer Kultur, die auf Selbstdarstellung und Lügen basiert und in welcher kaum einer wagt, persönliches öffentlich zu zeigen, ist „The Facebook Wall“ sicher eines der größten Kunstwerke unserer Zeit, welches das zeitlose Motiv von „The Wall“ aufgreift.
    • Pink Floyd – THE WALL – Alan Parker, Roger Waters
      In dieser Eindrucksvollen Verfilmung des Pink Floyd Albums „The Wall“ zeigt Alan Parker sein ganzes Können. Eindrucksvoll verschmelzen Musik und Bilder zu einem Gesamtkunstwerk, welches die Geschichte um Pink auf eigene Weise erzählt. Oft gerät der Film dabei, u.a. durch Einsatz von Animationen, in surrealisische Gewässer, was wohl jeden Pink Floyd Fan freut. Allerdings fehlt dem Film am Ende der Abschluss durch das Stück „Outside the Wall“, da nach der Gerichtsverhandlung musikalisch geendet wird. Insbesondere der letztlich optimistische Gesamteindruck des Albums weicht dadurch im Film einem eher bedrückendem Gefühl, da der Neuanfang lediglich bildlich angedeutet, aber nicht unbedingt auf Pink bezogen wird. Insgesamt stellt der Film „Pink Floyd – The Wall“ also eine exzellente Ergänzung zum Album „The Wall“ von Pink Floyd dar.
    • THE Catcher in the WALL – J. D. Salinger
      Dieser Roman gilt als eines der bedeutensten Werke der amerikanischen Nachkriegsliteratur. Die Geschichte des Holden Caulfield, der versucht, die Mauern der Verlogenheit der Gesellschaft um sich zu überwinden und dabei eine Collage der Gesellschaft ebenso wie der inneren Vorgänge in einem „rebellischen Teenager“ zeichnet, hat viel Aufsehen erregt. Der Beschützerinstinkt Holdens spielt dabei eine wichtige Rolle, was den großen Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit paraphrasiert: Auf der einen Seite möchte er Mauern überwinden, auf der anderen welche bauen, und sei es nur, damit keine kleinen Kinder von einer Klippe im Roggenfeld fallen.
    • THE WALLizard of OZ – Lyman Frank Baum
      Als eines der bekanntesten Märchen im amerikanischen Kulturkreis greift dieses Werk das Motiv der inneren Mauer schon 73 Jahre vor erscheinen seines Vorbilds, dem Album „The Wall“ von Pink Floyd, auf. Die kleine Dorothy lebt ein langweiliges, graues Leben, umgeben von Mauern der Einsamkeit und Langeweile, denn es passiert einfach nichts in Kansas. Nur ihr Hund schafft es noch, sie emotional zu erreichen. Mit der Zeit zieht sich Dorothy dennoch immer mehr in sich selbst zurück, bis sie sich in dem Wunschtraum verliert, ein Tornado würde sie über alle Mauern fort in die Freiheit des sagenhaften Landes Oz tragen. In ihrer kindlichen Wahnvorstellung hält Dorothy all dies schließlich für echt. Doch auch der Traum wartet mit inneren Wällen auf, wohin man sieht: Jede Figur, der Dorothy begegnet, wird von den eigenen, scheinbaren Unzulänglichkeiten eingesperrt. Nur der große Zauberer in der Mitte des Landes (also am weitesten von dessen Außenwällen entfernt) ist fähig, den Figuren zu helfen, ihre inneren Mauern zu überwinden. All dies erreicht er jedoch nur durch Betrug, er baut also wieder eine Mauer aus Lügen auf. Als Dorothy dies klar wird, verlässt sie der Wahn, und sie begreift die harte Realität: Mauern gibt es überall, sogar in unseren Träumen. Unfähig, mit dieser Erkenntnis zu leben, reißt Dorothy die Wirbelsäule aus ihrem kleinen Hund heraus und stranguliert sich damit. Ihre Überreste werden schnell vom grauen Staub Kansas‘ eingehüllt und bald schon schwindet die letzte Erinnerung an diesen unbedeutenden Menschen.
    • THE WALL (Wikipedia Artikel[de]) -div. Autoren, z.T. anonym
      Anders als der englische Artikel kommt der deutsche ohne Auszeichnung. Dies ist jedoch absolut gerechtfertigt, denn die Qualität und insbesondere der Umfang der deutschen Version kommt bei weitem nicht an die Englische heran. Lediglich als kurzer Überblick kann der Artikel dienen, erfüllt aber grundlegende Ansprüche an Wikipedia-Artikel durchaus.
    • Inception THE WALL – Christopher Nolan
      Ein, für Hollywoodverhältnisse, durchaus innovativer Film über Menschen, die in ihren geschachtelten Träumen ganze Städte aus Mauern errichten. Beeindruckende Bilder von Mauern, auf denen sogar Menschen laufen können oder die plötzlich verschwinden, tragen diese Story, die davon handelt, wie ein paar Berufsträumer die inneren Mauern eines reichen Geschäftsmannes überwinden müssen, um seine Beziehung zu retten. Dazu gehen sie in seine Träume.
    • THE Holy WALL Bible – Gott
      Das wohl berühmteste Buch aller Zeiten stellt sich als übernatürliche Wahrheit über die Beschaffenheit aller Mauern dieser Welt, innerer wie äußerer, dar. Bei näherer Betrachtung handelt es sich jedoch nur um eine hübsche Sammlung teils Zeitloser, teils aber auch völlig unzeitgemäßer Geschichten. Dabei verliert sich das Werk oftmals in Widersprüchen, gerade der konservative, oft brutale, rassistische erste Teil hebt sich erheblich von dem moderaterem, Liebe predigenden zweiten Teil ab, der dafür einen ungesunden Personenkult und Machtkonzentration propagiert. Lediglich die wissenschaftlich unhaltbaren Aussagen, es gebe ein übernatürliches Wesen, ein Leben nach dem Tod und ultimative Gerechtigkeit ziehen sich durch das gesamte Werk und dienen als Zuckerbrot und Peitsche zugleich, um den Leser (da die Bibel aus einer stark sexistischen Gesellschaft stammt und dies häufig reflektiert und zum Teil auch betoniert, verzichte ich hier bewusst auf die weibliche Form, vertraue aber Lesern dieses Blogs nicht genügend, um anzunehmen, das dieses ohne eine solche Erläuterung überhaubt bemerkt und als Kritik verstanden wird, oder ist es euch beim Harry Potter Artikel aufgefallen? Naja, viel Spaß, den Anfang des Satzes noch mal zu lesen.) gefügig zu machen und in ein Korsett ethischer Verhaltensweisen zu zwängen. Letztere sind zum Teil zwar durchaus sinnvoll („Du sollst nicht Töten“), sollen aber nicht wegen ihres Nutzen für die Gesellschaft, sondern aufgrund der sonst zu erwartenden Strafe bzw. im Falle des Befolgens Belohnung befolgt werden. Dieses Buch hat über die Jahre unsagbar viel Leid verursacht, aber auch vielen Menschen Trost gespendet. Durch die exhorbitante Tragweite ihrer Botschaft lässt sich „The Holy Wall Bible“ nicht einmal annähernd im Rahmen dieses kurzen Artikels angemessen behandeln, doch es wurde auch bereits viel Literatur zu diesem Thema produziert, auf welche ich die geneigten und interessierten Leser bzw. Leserinnen an dieser Stelle verweisen möchte.
    • Mein THE WALL Kampf – Adolf Hitler
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Anmerkungen: Dieser Artikel ließe sich mit allem durchziehen, nicht nur mit „The Wall“. Er kann beliebig erweitert werden. Ich hatte noch viele Ideen, aber keine Lust mehr. Aufgrund der Größe des Textes lassen sich wohl einige Rechtschreibfehler nicht vermeiden, für Hinweise in den Kommentaren bin ich dankbar. Abartige Satzkonstruktionen sind Absicht. Ich habe Wall-E nie gesehen aber über die meisten anderen Themen mindestens dilletantische Kenntnisse. Was Wall-E betrifft, hinkt diese Paradies-Allegorie natürlich stark, aber bei der Zusammenfassung in Wikipedia viel mir ein extremer Bezug des Originals auf die Schöpfungsgeschichte auf. Alle „The Simpsons‘ Wall“ Fakten bis auf den Titel sind korrekt. Während ich diesen Artikel schrieb, hörte ich drei oder vier Mal „The Wall“ etwa fünf weitere Pink Floyd Alben. Übertrieben plumpe oder elaborierte Formulierungen sind gewollt und entspringen weder mangelnder Kreativität(Plump) noch Arroganz bzw. Geltungssucht(elaboriert). Das Lied „I Left THE WALLet in El Segundo“ kenne ich aus dem Film „THE WALLadykillers“ mit THEom HWALLnks, wo es keinerlei Rolle spielt und nur beiläufig erwähnt wird. Die letztgenannten Dinge haben keinen Artikel hier, damit ich in diesem Anmerkungen darauf hinweisen kann, ohne den „Witz“ vorwegzunehmen. Der „Witz“ ist, dass ich einfach die Worte „THE WALL“ in den eigentlichen Filmtitel und den eigentlichen Schauspielernamen eingefügt habe, wobei sie mit den anderen Worten teilweise verschmelzen. Das ist deswegen lustig, weil ich bereits den ganzen Artikel nach diesem Schema vorgegangen bin, man aber in solchen Anmerkungen wohl kaum noch damit rechnet. Somit wird eine Erwartungshaltung gebrochen, was einen humoristischen Effekt erzeugt.
Versteht ihr? Weil es eigentlich ja „Ladykillers“ und „Tom Hanks“ heißt! Und ich hab nun einfach „THE WALLadykillers“ und „THEom HWALLnks“ drauß gemacht! HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAA! Also, normalerweise hätte man an dieser Stelle ja gar nicht mehr damit gerechnet! Nicht einmal ich dachte, noch so viel Text hier in die Anmerkungen zu knallen! Aber das ist ja gerade das komische, dieses unerwartete! „Als Witz bezeichnet man einen kurzen Text (Erzählung, Wortwechsel, Frage mit Antwort oder Ähnliches), der einen Sachverhalt so mitteilt, dass nach der ersten Darstellung unerwartet eine ganz andere Auffassung zutage tritt. Der plötzliche Positionswechsel (die Pointe) vermittelt die Einsicht, dass das Urteil über den Sachverhalt nicht zwingend einer einzigen Auffassung unterworfen ist. Die Öffnung zu anderen Auffassungen wird als befreiend empfunden. Die zunächst aufgebaute Beklemmung wegen eines vermeintlichen Problems löst sich in befreiendes Lachen auf. Das Gelächter der Zuhörer zeigt an, dass sie den Positionswechsel erkannt und mitvollzogen haben.“ So drückt es Wikipedia hier aus. Meine Verwendung von „THE WALLadykillers“ und „THEom HWALLnks“ anstatt von „Ladykillers“ und „Tom Hanks“ trifft also nicht die eigentliche Bedeutung eines Witzes. Aber Trotzdem hab ich euch nun vielleicht gezwungen, eine riesigen Textwust in dieser Winzschrift für Anmerkungen lesen zu lassen! Und ist das nicht der eigentliche Witz, auf eure Kosten? Die Antwort lautet „nein“. Denn auch dies Entspricht nicht der Definition von Witz. Vielmehr von trolling, wobei dies kaum allgemeingültig definiert ist und eher der persönlichen Auffassung unterliegt. Aber ich denke dieses hier trifft es ganz gut. War aber ursprünglich gar nicht mein Ziel, ich wollte wirklich nur einige Anmerkungen schreiben und erklären, warum ich diesen obskuren Hip-Hop-Track kenne. Ehrlich. Wegen des getrolles fühle ich mich schon fast schlecht, obwohl es doch als harmloser „Witz“ begann. Das führt mich nun wieder auf die Frage, wie man so etwas eigentlich bezeichnet. Ich meine einfach dieses Ersetzen von „Ladykillers“ und „Tom Hanks“ durch „THE WALLadykillers“ und „THEom HWALLnks“, ohne das ganze Geplänkel hinterher. Post your answer in the comments below.
Changelog: Pink Floyd – THE WALL editiert (siehe durchgestrichenen Part), mit Dank an THEdedemWALL für seinen Hinweis, dass „Outside The Wall“ im Abspann läuft.